Liebesgedichte – Weiße Rosen von Hugo Salus

Liebesgedichte – Weiße Rosen von Hugo Salus

Im Jahr, da Neros Tollheit grausam ward, Und Neros Grausamkeit verschmitzte Tollheit: Nur frisches Rot aus Wunden labt sein Auge, Nur Todesröcheln war Musik dem Ohr Und Blutdunst ward zur Wollust seinen Nüstern; Da Jungfraun Dirnen wurden, ihn zu fliehn, Und Söhne Muttermörder, ihm zu wehren – In diesem Jahr gelang dem Centulus Zum erstenmal schneeweißer Rosen Zucht Von solcher Reinheit und so mildem Dufte, Daß Neid der andern Rosen Blätter kräuselt Und früher Herbst sie von den Stengeln warf. Aus jener Zeit der wilden Todesschreie Kein fernes Echo drang in unsere Tage, Und Nero ward ein Wort, dabei uns schaudert, Ein Wort, ein Hauch, ein Mißklang und nichts mehr. Es fühlt kein Enkel mehr des Ahnen Angst Im bebenden Gedächtnis seines Herzens, Wenn er den Namen spricht, der töten konnte. Doch keusch und rein, dem Auge Lust und Labe, Blüht heut’ wie je mit süßem, sanftem Duft Der weiße Rosenflor des Centulus …