Liebesgedichte – Nachtspaziergang

Liebesgedichte – Nachtspaziergang

 

Ich gehe traurig durch die Nacht
Minuten vorher noch gelacht
doch jetzt, jetzt bist Du schon gegangen
mein Blick durch Traurigkeit verhangen
ich laufe traurig durch die Nacht

Um mich herum ein Wust aus Schweigen
aus Einsamkeit, ich laß mich treiben
ich geh’ durch leergefegte Gassen
durch regenfeuchte öde Strassen
und es umspinnt mich dichtes Schweigen

Neben mir, da hängen hoffnungslos herab
die Lampenköpfe, leuchtendvolles Käfergrab
ich seh im Dunst ihr fahles Licht
weil sie nicht können, weinen nicht
die Lampenköpfe, sondern hängen nur herab

Irgendwo da fährt ein Wagen,
alt klingt er und lautes Klagen
scheint sein Motor zu erheben
enden wird sein totes Leben
ich horche auf den alten Wagen

Und er verschwand, wie er gekommen
und wieder war ich nur allein – benommen
macht mich dies Verlassen-
sein in ausgestorbnen Straßen
woher, wohin mag ich wohl kommen?

Schließlich komm ich zum Nirgendwo der Stadt
ins Niemandsland der Ratten – hat
denn hier niemand seine Heimat?
Weiß denn hier niemand mir den Rat
zu weisen, hier im Nirgendwo der Stadt?

Doch, tönt da eine kalte Stimme aus einer Wand aus grauem Nichts
Ich kann Dir helfen, so vernimm den Rat und aus des grünen Lichtes
Schein da dringt zu mir ganz unverhofft die Weisung
zu tun, was er mir sage klingt mir wie Verheißung
des Niemands Stimme hier aus jener Wand aus grauem Nichts

So schreit ich vorwärts zum erwähnten Ort
und nehm die dunkelblaue Rose mit mir fort
höre nicht auf Geisterschreie
deren dunkle Macht ich leihe
mir zu meinen Zwecken nur von jenem ach so düstren Ort

Du, meine Verlobte, sollst sie haben,
sollst sie immer bei Dir tragen
als ein würdiges Versprechen
niemals unsren Bund zu brechen
Du, meine Liebe, sollst sie haben

Und bist Du untreu, welkt dahin die Rose und das Leben
Deines, meines und die Freude, die die Liebe uns gegeben
und ich muß meines Paktes Lohn
bezahlen an die Geister schon
vergeben meine Seele, als Preis ist es mir wert, mein Leben

Dir bleibt nichts dann, als zu trauern
jahrelang zu überdauern
in dem tristen Meer aus Trauer
bis er kommt, der kalte Schauer
der Dich holt, mit mir zu trauern
in Schattenreiches ewig unbezwungnen Mauern