Liebesgedichte – Monitor oder Sommerabend von Uwe Schmidt

Liebesgedichte – Monitor oder Sommerabend von Uwe Schmidt

Sommerabend, lau, zu schön, um in das tote Auge, meiner fünfzehn Zoll zu starren. Ich gehe hinaus in die warme Luft, ein wenig gehen, ein wenig schauen, und hier und da verharren. Man nickt, man grüsst, ich gehe auf sie zu, das Wort freundlich an sie zu richten, und dahinter ist es starr, wie Seifenblasen strömen, viele Worte aus ihrem Mund. Nichts haben sie gesagt, und doch schwoll das Plappern so laut wie ein Orkan, ohne Inhalt, ohne Witz, diese Wand aus lautem Schweigen, sie widert mich so an. Nehmen sie mich wahr? Ich glaube, ich könnte auch ein ganz anderer sein, es wären die gleichen Worte, von der Höhe der wand des Schweigens, prasseln sie auf mich ein. Ich sage etwas allzu Böses, die laute Schweigewand wird stumm, wird gar betreten still, jetzt sehen sie MICH wirklich, sind entsetzt, enttäuscht, blasiert und fragen endlich was ich will. Ich bleibe jedoch stumm, und fresse mit meiner Stille, ein Loch in die Mauer des lauten Schweigens. Dann bricht es heraus, ich rezitiere ihnen ein Gedicht zum Denken, zum durchbrechen des dumpfen Reigens. Wie ein schwarzes Loch, ist das Gedicht der Ort des Schreiens, in der Mauer, von lautem Schweigen so voll. Ich kehre heim, allein, und bin glücklich und unterhalt’ mich, mit meinen fünfzehn Zoll. Hamburg, 12.05.2004