Liebesgedichte – Louise Aston 1814 – 1871

Liebesgedichte – Louise Aston 1814 – 1871

* die Autorin Louise Aston geboren am 26. November 1814 in Gröningen; gestorben am 21. Dezember 1871 in Wangen im Allgäu, war eine deutsche Schriftstellerin und Vorkämpferin für die demokratische Revolution und Frauenbewegung

 

Liebesgedichte – An Ihn von Louise Aston

Kann ich lindern dieses Sehnen, Das mich träumend Dir vereint? Dir verhaßt sind diese Thränen, Die der blasse Kummer weint; Die ein Opfer des Geschickes Weint am Grab entschwund’nen Glückes! – “Ihre Todten zu begraben, Laß’ die Todten sich bemüh’n! Doch des Lebens reichste Gaben Mögen den Lebend’gen blüh’n.

Ewig soll’s im Herzen lenzen, Neue Triebe, neue Kraft! Und mit frischen Blüthenkränzen Schmücke sich die Leidenschaft! Was im Sturm der Zeit verloren, Sei verjüngt und neugeboren! Wenn der Sonne Glanz versunken, Wenn verglüht des Tages Pracht; Steige auf, von Wonne trunken, Gluterfüllte Liebesnacht!” –

Und doch rührt mich frisches Leben Nicht mit seinem Zauberstab.

Träumende Gedanken schweben Um entschwund’ner Zeiten Grab; Und es grüßt die bange Klage Abendroth versunk’ner Tage. Will ich kräftig mich ermannen, Fliehen der Erinn’rung Fluch; Fehlt, die Geister fortzubannen, Mir der mächt’ge Zauberspruch!

Schau’ umher ich tiefbekümmert, Alles wird zur Elegie; Und im Innersten zertrümmert Ist der Seele Harmonie; Klagend in Erinnerungen, Eine Glocke, die gesprungen! Wer dem machterfüllten Beben Ihrer Töne einst gelauscht; Hört, wie jetzt zerriss’nes Leben In gebroch’nen Klängen rauscht.

Schöne Tage, kehret wieder! Bringt das Herrliche zurück! Seiner Freiheit wilde Lieder; Seiner Liebe mildes Glück! Ja, vergessen war mein Dulden, Und vergeben mein Verschulden! Deiner Lehre treuer Jünger

Weint’ ich keinem Glücke nach, Denn ein neuer Freudenbringer Stieg empor der neue Tag.

Sprach’st Du mir von Männerwürde, Von der Freiheit Herrlichkeit, Warf ich eig’ner Sorgen Bürde In das weite Meer der Zeit. Eine Schranke muß ja fallen, Und ein Morgen tagt uns allen! Wenn den unterdrückten Knechten Erst der Freiheit Sonne scheint; Wird das Weib mit gleichen Rechten Einst dem freien Mann vereint.

Nimmer lausch’ ich mehr dem Worte, Das mein Innerstes durchklang; Pochend an der Zukunft Pforte In der Jugend Thatendrang, Raubend von des Himmels Heerde Licht und Feuer für die Erde. Solcher Liebe heißes Werben Wurde rasch des Friedens Grab; Und in seliges Verderben Stürzt’ ich freudig mich hinab. –

Kann ich lindern dieses Sehnen,

Das mich träumend Dir vereint? Dir verhaßt sind diese Thränen, Die der blasse Kummer weint! Wohl! so will ich schmerzhaft ringen, Finst’re Trauer zu bezwingen: – “Ihre Todten zu begraben, Laß die Todten sich bemüh’n; Doch des Lebens reichste Gaben Mögen den Lebend’gen blüh’n!”