Hochzeitsgedichte – An ein Brautpaar

Hochzeitsgedichte – An ein Brautpaar

 

An ein Brautpaar O, lebt und liebt Euch, nach der Sitte Der goldnen Zeit, als eine Hütte Die Liebenden umschloss, die willige Natur Aus ihrem Überfluss sie nährte, Und ihnen Bach und Wald und Flur Die Mittel der Zufriedenheit gewahrte! Durch Euer Beispiel angereizt. Bekehre sich, wer schon allmählich an der Küste

Des Hagestolzeneilands kreuzt. Bekehre sich zu Hymens Altar, und gelüste Nach eines Weibchens warmer Zärtlichkeit, Die uns, aus öder Einsamkeit Zum ersten Glücke der Geselligkeit Allmächtig weckt. (Spricht sie zur Freude: Werde! Zum Kummer: flieh! wird Freude, Kummer flieht.) Nach jenem Bunde, der herab zur Erde Die Seligkeit des Himmels zieht. Nach jener ewigen Verschwistrung Seelen, Bestimmt, sich hier zu finden, und zu wählen, Und sich getreu bis in den Tod zu sein. Nach jenem unaussprechlichsüßen Sorgen Für Wesen, die durch uns sich ihres Daseins freun; Nach jenen Küssen, Spielen, Tandelein, Die, vor des Neides Blick verborgen. Die Liebe nur belauschet und verschweigt. (Friedrich Wilhelm Gotter)