“Gegensätze ziehen sich an” – oder doch nicht?

Hallo zusammen,

ich heiße Marisa, bin 22 Jahre alt und heute eure Gastbloggerin.

Viele von euch kennen sicherlich den Spruch “Gegensätze ziehen sich an” – bezogen einen (möglichen) Partner.

Ich selbst habe diesen Spruch nicht nur gehört, sondern auch beherzigt.

So kam es dazu, dass ich vergangenes Jahr eine Beziehung mit Ed – so nennen wir ihn mal – einging.

Ein Mitzwanziger, charakterlich ansprechend, optisch mein Typ – er akzeptierte mich zudem mit all meinen Macken, dazu war seine Familie einfach herrlich.

Die ersten paar Wochen unserer Beziehung war alles rosarot -> kein Streit, er suchte nach Arbeit (sein Praktikumsvertrag lief in ein paar Wochen aus, er musste sich etwas Neues suchen) und wir unternahmen viel – z.B. Essen gehen & vorheriges Shoppen mit seiner Familie.

Man sollte meinen, es wäre alles perfekt?! Aber der Eindruck täuscht.

Die () haben ihren Sinn – Ed musste sich schleunigst nach Arbeit umsehen, sonst würde er demnächst ohne Geld dastehen und weiterhin auf seine Eltern angewiesen sein.
Betonung auf musste. Was er musste und was er tat waren schließlich zwei paar Schuhe…
So ambitioniert Ed anfangs wirkte, so faul & süchtig war er später. Süchtig nach Zocken, Online-Sein … Und nein, ich rede nicht von 2 Stunden täglich WhatsApp & Co. checken.
Ich spreche von unter der Woche 8 Stunden & am Wochenende 14 Stunden täglich zocken bzw. mit Online-Freunden chatten.
Z.B. erinnere ich mich noch an die Situation, als er mir begeistert von seinem besten Freund erzählte – sie kennen sich jahrelang, haben viele Gemeinsamkeiten und und und …
“Toll, wann lerne ich ihn mal kennen?” – “Er wohnt in Berlin.” – “Oh, dann seht ihr euch ja kaum.” – “Wir kennen uns nur online, aber best friends.”
Wie bitte?! Online-Bekanntschaften sind schön und gut, aber diese vor die eigenen echten Freunde aus dem Real Life stellen… fraglich!
Als sein Praktikumsende kurz bevorstand, war Ed noch ohne Job – aber wie sollte man den auch kriegen, wenn Mann keine Bewerbungen schreibt?!
Seine Familie und ich suchten mehrmals das Gespräch mit ihm – von wegen, er solle sich endlich um Arbeit bemühen, schließlich ist er Mitte 20 und hat bislang außer Fachabitur noch nichts erreicht.
Da ich selbst eine Ausbildung abgebrochen habe, sah ich über seinen bisherigen Lebenslauf hinweg. Dass es so aber nicht weitergehen konnte, war mir von Anfang an klar.
Wie sollte unser Leben in 2 Jahren aussehen ? Ich, mittlerweile fest am Arbeiten, bringe das Geld nachhause, während er sich auf die faule Haut legt und zockt?!
Oder weiterhin Mutti auf der Tasche legen, ohne selbst einen Cent zu verdienen?!
Das Gespräch mit seinen Eltern, Ed und mir führte ins Leere. Er meinte, dass wir ihm nichts zu sagen hätten und er alt genug sei, um selbst zu entscheiden, was er wann tut.
Grundsätzlich ist er auch alt genug, vom Verstand her allerdings nicht.
Als ich einen Tag frei hatte und zuhause war, rief ich bei Ed an – wollte seine Eltern sprechen bzgl. anstehender Grillfeier. Seine Mutter, die gerade Feierabend hatte, teilte mir mit, dass Ed den ganzen Tag schon zuhause sei – am Zocken. Davon wusste ich nichts.
Jedenfalls gab sie mir ihn dann ans Telefon – Ed log mich an “Ich bin krank (hust).”
Das Ganze ging letztlich so weit, dass ich mich von ihm trennte.
Unter anderem auch, weil nach diesen Szenen noch weitere folgte: “Wer arbeiten geht, ist geldgeil.”, “Arbeiten gehen nimmt mir Zeit zum Zocken weg.” usw.
Im Nachhinein gesehen wurde mir erst bewusst, wie verschieden wir allgemein gesehen waren ->
er hörte nur “Zocker-Musik”, ich liebte Rock… Er schaute Animes, ich stehe auf Horrorfilme … Er wollte Kinder & heiraten, ich verneine beides.
Alleine wegen dem letzten Aspekt wäre unsere Beziehung auf Dauer gescheitert.
So hat “nur” die Zockerei und Faulheit alles kaputt gemacht.
Lektion gelernt -> ich höre nicht mehr auf “Gegensätze ziehen sich an”, sondern nur noch auf “gleich und gleich gesellt sich gern”.
Welche Erfahrungen habt ihr mit diesen Sprüchen gemacht? An welchen haltet ihr euch eher?