Gedichte, & Werke von Friedrich Schiller 1759 – 1805

* der Autor Friedrich Schiller Geboren am 10.11.1759 in Marbach als Sohn des Militärwundarztes J.C. Schiller, nach Besuch der Dorfschule und Lateinschule 1773 Eintritt in die Karlsschule, dort studiert er ab 1776 Medizin, 1780 wird er Regimentsmedicus in Stuttgart, er erhält Arrest und Schreibverbot wegen Aufführung der “Räuber” in Mannheim, flüchtet 1783 über Mannheim, Leipzig (1785) und Dresden nach Weimar (1787), 1789 Ernennung zum a.o. Prof. der Geschichte und Philosophie in Jena, 1799 erneute übersiedelung nach Weimar, wo er am 9.5.1805 stirbt.

Zitate von Friedrich Schiller

“Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.”

Gedicht Das Geheimnis von Friedrich Schiller

Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
Zu viele Lauscher waren wach,
Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich, was er sprach.
Leis komm ich her in deine Stille,
Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die Liebenden dem Aug der Welt.

Von ferne mit verworrnem Sausen
Arbeitet der geschäftge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
Erkenn ich schwerer Hämmer Schlag.
So sauer ringt die kargen Lose
Der Mensch dem harten Himmel ab,
Doch leicht erworben, aus dem Schoße
Der Götter fällt das Glück herab.

Daß ja die Menschen nie es hören,
Wie treue Lieb uns still beglückt!
Sie können nur die Freude stören,
Weil Freude nie sie selbst entzückt.
Die Welt wird nie das Glück erlauben,
Als Beute wird es nur gehascht,
Entwenden mußt dus oder rauben,
Eh dich die Mißgunst überrascht.

Leis auf den Zehen kommts geschlichen,
Die Stille liebt es und die Nacht,
Mit schnellen Füßen ists entwichen,
Wo des Verräters Auge wacht.
O schlinge dich, du sanfte Quelle,
Ein breiter Strom um uns herum,
Und drohend mit empörter Welle
Verteidige dies Heiligtum!

Gedicht Schönheit von Friedrich Schiller

Schönheit ist ewig nur Eine, doch mannigfach wechselt das Schöne,
Daß es wechselt, das macht eben das Eine nur schön.

Gedicht Der Antritt des neuen Jahrhunderts An *** von Friedrich Schiller

Edler Freund! Wo öffnet sich dem Frieden,
Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?
Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden,
Und das neue öffnet sich mit Mord.

Und das Band der Länder ist gehoben,
Und die alten Formen stürzen ein;
Nicht das Weltmeer hemmt des Krieges Toben,
Nicht der Nilgott und der alte Rhein.

Zwo gewaltge Nationen ringen
Um der Welt alleinigen Besitz,
Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.

Gold muß ihnen jede Landschaft wägen,
Und wie Brennus in der rohen Zeit
Legt der Franke seinen ehrnen Degen
In die Waage der Gerechtigkeit.

Seine Handelsflotten streckt der Brite
Gierig wie Polypenarme aus,

Und das Reich der freien Amphitrite
Will er schließen wie sein eignes Haus.

Zu des Südpols nie erblickten Sternen
Dringt sein rastlos ungehemmter Lauf,
Alle Inseln spürt er, alle fernen
Küsten – nur das Paradies nicht auf.

Ach umsonst auf allen Länderkarten
Spähst du nach dem seligen Gebiet,
Wo der Freiheit ewig grüner Garten,
Wo der Menschheit schöne Jugend blüht.

Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken,
Und die Schiffahrt selbst ermißt sie kaum,
Doch auf ihrem unermeßnen Rücken
Ist für zehen Glückliche nicht Raum.

In des Herzens heilig stille Räume
Mußt du fliehen aus des Lebens Drang,
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Gesang.

Gedicht Der Flüchtling von Friedrich Schiller

Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch,
Purpurisch zuckt durch düst’rer Tannen Ritzen
Das junge Licht, und äugelt aus dem Strauch,
In gold’nen Flammen blitzen
Der Berge Wolkenspitzen,
Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied
Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,
Die schon in lachender Wonne
Jugendlich schön in Auroras Umarmungen glüht.

Sei Licht mir gesegnet!
Dein Strahlenguß regnet
Erwärmend hernieder auf Anger und Au.
Wie silberfarb flittern
Die Wiesen, wie zittern
Tausend Sonnen im perlenden Tau!
In säuselnder Kühle
Beginnen die Spiele
Der jungen Natur,
Die Zephyre kosen
Und schmeicheln um Rosen,
Und Düfte beströmen die lachende Flur.

Wie hoch aus den Städten die Rauchwolken dampfen,
Laut wiehern und schnauben und knirschen und strampfen
Die Rosse, die Farren,
Die Wagen erknarren
Ins ächzende Tal.
Die Waldungen leben
Und Adler, und Falken und Habichte schweben,
Und wiegen die Flügel im blendenden Strahl.
Den Frieden zu finden,
Wohin soll ich wenden
Am elenden Stab?
Die lachende Erde
Mit Jünglingsgebärde
Für mich nur ein Grab?

Steig empor, o Morgenrot, und röte
Mit purpurnem Kusse Hain und Feld,
Säus’le nieder Abendrot und flöte
Sanft in Schlummer die erstorb’ne Welt.
Morgen – ach! du rötest
Eine Totenflur,
Ach! und du, o Abendrot! umflötest
Meinen langen Schlummer nur.

Gedicht Die Götter Griechenlands von Friedrich Schiller

Da ihr noch die schöne Welt regieret,
An der Freude leichtem Gängelband
Selige Geschlechter noch geführet,
Schöne Wesen aus dem Fabelland!
Ach, da euer Wonnedienst noch glänzte,
Wie ganz anders, anders war es da!
Da man deine Tempel noch bekränzte,
Venus Amathusia!

Da der Dichtung zauberische Hülle
Sich noch lieblich um die Wahrheit wand, –
Durch die Schöpfung floß da Lebensfülle,
Und was nie empfinden wird, empfand.
An der Liebe Busen sie zu drücken,
Gab man höhern Adel der Natur,
Alles wies den eingeweihten Blicken,
Alles eines Gottes Spur.

Wo jetzt nur, wie unsre Weisen sagen,
Seelenlos ein Feuerball sich dreht,
Lenkte damals seinen goldnen Wagen
Helios in stiller Majestät.
Diese Höhen füllten Oreaden,
Eine Dryas lebt’ in jenem Baum,
Aus den Urnen lieblicher Najaden
Sprang der Ströme Silberschaum.

Jener Lorbeer wand sich einst um Hilfe,
Tantals Tochter schweigt in diesem Stein,
Syrinx’ Klage tönt’ aus jenem Schilfe,
Philomelas Schmerz aus diesem Hain.
Jener Bach empfing Demeters Zähre,
Die sie um Persephone geweint,
Und von diesem Hügel rief Cythere,
Ach, umsonst! dem schönen Freund.

Zu Deukalions Geschlechte stiegen
Damals noch die Himmlischen herab;
Pyrrhas schöne Töchter zu besiegen,
Nahm der Leto Sohn den Hirtenstab.
Zwischen Menschen, Göttern und Heroen
Knüpfte Amor einen schönen Bund,
Sterbliche mit Göttern und Heroen
Huldigten in Amathunt.

Finstrer Ernst und trauriges Entsagen
War aus eurem heitern Dienst verbannt;
Glücklich sollten alle Herzen schlagen,
Denn euch war der Glückliche verwandt.
Damals war nichts heilig, als das Schöne,
Keiner Freude schämte sich der Gott,
Wo die keusch erröthende Kamöne,
Wo die Grazie gebot.

Eure Tempel lachten gleich Palästen,
Euch verherrlichte das Heldenspiel
An des Isthmus kronenreichen Festen,
Und die Wagen donnerten zum Ziel.
Schön geschlungne, seelenvolle Tänze
Kreisten um den prangenden Altar,
Eure Schläfe schmückten Siegeskränze,
Kronen euer duftend Haar.

Das Evoe muntrer Thyrsusschwinger
Und der Panther prächtiges Gespann
Meldeten den großen Freudebringer,
Faun und Satyr taumeln ihm voran;
Um ihn springen rasende Mänaden,
Ihre Tänze loben seinen Wein,
Und des Wirthes braune Wangen laden
Lustig zu dem Becher ein.

Damals trat kein gräßliches Gerippe
Vor das Bett des Sterbenden. Ein Kuß
Nahm das letzte Leben von der Lippe,
Seine Fackel senkt’ ein Genius.
Selbst des Orkus strenge Richterwage
Hielt der Enkel einer Sterblichen,
Und des Thrakers seelenvolle Klage
Rührte die Erinyen.

Seine Freuden traf der frohe Schatten
In Elysiens Hainen wieder an,
Treue Liebe fand den treuen Gatten
Und der Wagenlenker seine Bahn;
Linus’ Spiel tönt’ die gewohnten Lieder,
In Alcestens Arme sinkt Admet,
Seinen Freund erkennt Orestes wieder,
Seine Pfeile Philoktet.

Höhre Preise stärken da den Ringer
Auf der Tugend arbeitvoller Bahn;
Großer Thaten herrliche Vollbringer
Klimmten zu den Seligen hinan.
Vor dem Wiederforderer der Todten
Neigte sich der Götter stille Schaar;
Durch die Fluten leuchtet dem Piloten
Vom Olymp das Zwillingspaar.

Schöne Welt, wo bist du? – Kehre wieder,
Holdes Blüthenalter der Natur!
Ach, nur in dem Feenland der Lieder
Lebt noch deine fabelhafte Spur.
Ausgestorben trauert das Gefilde,
Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick,
Ach, von jenem lebenwarmen Bilde
Blieb der Schatten nur zurück.

Alle jene Blüthen sind gefallen
Von des Nordes schauerlichem Wehn;
Einen zu bereichern unter Allen,
Mußte diese Götterwelt vergehn.
Traurig such’ ich an dem Sternenbogen,
Dich, Selene, find’ ich dort nicht mehr;
Durch die Wälder ruf’ ich, durch die Wogen,
Ach! sie wiederhallen leer!

Unbewußt der Freuden, die sie schenket,
Nie entzückt von ihrer Herrlichkeit,
Nie gewahr des Geistes, der sie lenket,
Sel’ger nie durch meine Seligkeit,
Fühllos selbst für ihres Künstlers Ehre,
Gleich dem todten Schlag der Pendeluhr,
Dient sie knechtisch dem Gesetz der Schwere,
Die entgötterte Natur.

Morgen wieder neu sich zu entbinden,
Wühlt sie heute sich ihr eignes Grab,
Und an ewig gleicher Spindel winden
Sich von selbst die Monde auf und ab.
Müßig kehrten zu dem Dichterlande
Heim die Götter, unnütz einer Welt,
Die, entwachsen ihrem Gängelbande,
Sich durch eignes Schweben hält.

Ja, sie kehrten heim, und alles Schöne,
Alles Hohe nahmen sie mit fort,
Alle Farben, alle Lebenstöne,
Und uns blieb nur das entseelte Wort.
Aus der Zeitfluth weggerissen, schweben
Sie gerettet auf des Pindus Höhn;
Was unsterblich im Gesang soll leben,
Muß im Leben untergehn.

Gedicht Freund und Feind von Friedrich Schiller

Teuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen,

Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll.

Gedicht Das weibliche Ideal von Friedrich Schiller

An Amanda

überall weichet das Weib dem Manne, nur in dem Höchsten

Weichet dem weiblichsten Weib immer der männlichste Mann.

Was das Höchste mir sei? Des Sieges ruhige Klarheit,

Wie sie von deiner Stirn, holde Amanda, mir strahlt.

Schwimmt auch die Wolke des Grams um die heiter glänzende Scheibe,

Schöner nur malt sich das Bild auf dem vergoldeten Duft.

Dünke der Mann sich frei! Du bist es, denn ewig notwendig

Weißt du von keiner Wahl, keiner Notwendigkeit mehr.

Was du auch gibst, stets gibst du dich ganz, du bist ewig nur Eines,

Auch dein zärtester Laut ist dein harmonisches Selbst.

Hier ist ewige Jugend bei niemals versiegender Fülle,

Und mit der Blume zugleich brichst du die goldene Frucht.

Gedicht Zwei Eimer von Friedrich Schiller

Zwei Eimer sieht man ab und auf

In einem Brunnen steigen,

Und schwebt der eine voll herauf,

Muß sich der andre neigen.

Sie wandern rastlos hin und her,

Abwechselnd voll und wieder leer,

Und bringst du diesen an den Mund,

Hängt jener in dem tiefsten Grund;

Nie können sie mit ihren Gaben

In gleichem Augenblick dich laben.

Gedicht Ich von Friedrich Schiller

Nichts mehr von diesem tragischen Spuk. Kaum einmal im Jahre

Geht dein geharnischter Geist über die Bretter hinweg.

Gedicht Forum des Weibes von Friedrich Schiller

Frauen, richtet mir nie des Mannes einzelne Taten,

Aber über den Mann sprechet das richtende Wort.

Gedicht Was ist die Mehrheit? von Friedrich Schiller

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,

Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen.

Bekümmert sich ums Ganze, wer nicht hat?

Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?

Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,

um Brot und Stiefel seine Stimm’ verkaufen.

Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;

der Staat muß untergehn, früh oder spät,

wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

Gedicht Die seeligen Augenblicke an Laura von Friedrich Schiller

Laura, über diese Welt zu flüchten

Wähn ich – mich in Himmelmaienglanz zu lichten

Wenn dein Blick in meine Blicke flimmt,

ätherlüfte träum ich einzusaugen,

Wenn mein Bild in deiner sanften Augen

Himmelblauem Spiegel schwimmt; –

Leierklang aus Paradises Fernen,

Harfenschwung aus angenehmern Sternen

Ras ich in mein trunken Ohr zu ziehn,

Meine Muse fühlt die Schäferstunde,

Wenn von deinem wollustheißem Munde

Silbertöne ungern fliehn; –

Amoretten seh ich Flügel schwingen,

Hinter dir die trunknen Fichten springen

Wie von Orpheus Saitenruf belebt,

Rascher rollen um mich her die Pole,

Wenn im Wirbeltanze deine Sole

Flüchtig wie die Welle schwebt; –

Deine Blicke – wenn sie Liebe lächeln,

Könnten Leben durch den Marmor fächeln,

Felsenadern Pulse leihn,

Träume werden um mich her zu Wesen,

Kann ich nur in deinen Augen lesen:

Laura, Laura mein! –

Wenn dann, wie gehoben aus den Achsen

Zwei Gestirn, in Körper Körper wachsen,

Mund an Mund gewurzelt brennt,

Wollustfunken aus den Augen regnen,

Seelen wie entbunden sich begegnen

In des Atems Flammenwind, – – –

Qualentzüken – – Paradisesschmerzen! – –

Wilder flutet zum beklommnen Herzen,

Wie Gewapnete zur Schlacht, das Blut,

Die Natur, der Endlichkeit vergessen,

Wagts mit höhern Wesen sich zu messen,

Schwindelt ob der acherontschen Flut.

Eine Pause drohet hier den Sinnen,

Schwarzes Dunkel jagt den Tag von hinnen,

Nacht verschlingt den Quell des Lichts –

Leises . . Murmeln . . . dumpfer . . hin . . verloren . .

Stirbt . . . allmählig . . in den trunknen . . . Ohren . . .

Und die Welt ist . . . . Nichts . . . .

Ach, vielleicht verpraßte tausend Monde

Laura, die Elisiumssekunde,

All begraben in dem schmalen Raum;

Weggewirbelt von der Todeswonne,

Landen wir an einer andern Sonne,

Laura! und es war ein Traum.

O daß doch der Flügel Chronos harrte,

Hingebannt ob dieser Gruppe starrte

Wie ein Marmorbild – – die Zeit!

Aber ach! ins Meer des Todes jagen

Wellen Wellen – über dieser Wonne schlagen

Schon die Strudel der Vergessenheit.

Gedicht Punschlied von Friedrich Schiller

Vier Elemente,

Innig gesellt,

Bilden das Leben,

Bauen die Welt.

Preßt der Zitrone

Saftigen Stern!

Herb ist des Lebens

Innerster Kern.

Jetzt mit des Zuckers

Linderndem Saft

Zähmet die herbe

Brennende Kraft!

Gießet des Wassers

Sprudelnden Schwall!

Wasser umfänget

Ruhig das All.

Tropfen des Geistes

Gießet hinein!

Leben dem Leben

Gibt er allein.

Eh es verdüftet

Schöpfet es schnell!

Nur wenn er glühet,

Labet der Quell.

Gedicht Die Bürgschaft von Friedrich Schiller

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich

Damon, den Dolch im Gewande;

Ihn schlugen die Häscher in Bande.

“Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!”

Entgegnet ihm finster der Wüterich.

“Die Stadt vom Tyrannen befreien!”

“Das sollst du am Kreuze bereuen.”

“Ich bin”, spricht jener, “zu sterben bereit

Und bitte nicht um mein Leben;

Doch willst du Gnade mir geben,

Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

Ich lasse den Freund dir als Bürgen –

Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen.”

Da lächelt der König mit arger List

Und spricht nach kurzem Bedenken:

“Drei Tage will ich dir schenken.

Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,

Eh du zurück mir gegeben bist,

So muß er statt deiner erblassen,

Doch dir ist die Strafe erlassen.”

Und er kommt zum Freunde: “Der König gebeut,

Daß ich am Kreuz mit dem Leben

Bezahle das frevelnde Streben;

Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit.

So bleib du dem König zum Pfande,

Bis ich komme, zu lösen die Bande.”

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

Und liefert sich aus dem Tyrannen,

Der andere ziehet von dannen.

Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

Hat er schnell dem Gatten die Schwester vereint,

Eilt heim mit sorgender Seele,

Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,

Von den Bergen stürzen die Quellen,

Und die Bäche, die Ströme schwellen.

Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab –

Da reißet die Brücke der Strudel hinab,

Und donnernd sprengen die Wogen

Des Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand;

Wie weit er auch spähet und blicket

Und die Stimme, die rufende, schicket –

Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,

Der ihn setze an das gewünschte Land,

Kein Schiffer lenket die Fähre,

Und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,

Die Hände zum Zeus erhoben:

“O hemme des Stromes Toben!

Es eilen die Stunden, im Mittag steht

Die Sonne, und wenn sie niedergeht

Und ich kann die Stadt nicht erreichen,

So muß der Freund mir erbleichen.”

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,

Und Welle auf Welle zerrinnet,

Und Stund an Stunde entrinnet.

Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut

Und wirft sich hinein in die brausende Flut,’

Und teilt mit gewaltigen Armen

Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort

Und danket dem rettenden Gotte;

Da stürzet die raubende Rotte

Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,

Den Pfad ihm sperrend, und schnaubend Mord

Und hemmet des Wanderers Eile

Mit drohend geschwungener Keule.

“Was wollt ihr?” ruft er, vor Schrecken bleich,

“Ich habe nichts als mein Leben,

Das muß ich dem Könige geben!”

Und entreißet die Keule dem nächsten gleich:

“Um des Freundes willen erbarmet euch!”

Und drei mit gewaltigem Streichen

Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,

Und vor der unendlichen Mühe

Ermattet sinken die Kniee:

“O hast du mich gnädig aus Räuberhand,

Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,

Und soll hier verschmachtend verderben,

Und der Freund mir, der liebende, sterben!”

Und horch! da sprudelt es silberhell

Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,

Und stille hält er, zu lauschen;

Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,

Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,

Und freudig bückt er sich nieder

Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün

Und malt auf den glänzenden Matten

Der Bäume gigantische Schatten;

Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,

Will eilenden Laufes vorüber fliehn,

Da hört er die Worte sie sagen:

“Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.”

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,

Ihn jagen der Sorge Qualen;

Da schimmern in Abendrots Strahlen

Von ferne die Zinnen von Syrakus,

Und entgegen kommt ihm Philostatus,

Des Hauses redlicher Hüter,

Der erkennet entsetzt den Gebieter:

“Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,

So rette das eigene Leben!

Den Tod erleidet er eben.

Von Stunde zu Stunde gewartet’ er

Mit hoffender Seele der Wiederkehr,

Ihm konnte den mutigen Glauben

Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.” –

“Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,

Ein Retter, willkommen erscheinen,

So soll mich der Tod ihm vereinen.

Des rühme der blutge Tyrann sich nicht,

Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,

Er schlachte der Opfer zweie

Und glaube an Liebe und Treue!”

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor

Und sieht das Kreuz schon erhöhet,

Das sie Menge gaffend umstehet;

An dem Seile schon zieht man den Freund empor,

Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:

“Mich, Henker!” ruft er, “erwürget!

Da bin ich, für den er gebürget!”

Und Erstaunen ergreift das Volk umher,

In den Armen liegen sich beide

Und weinen vor Schmerzen und Freude.

Da sieht man kein Auge tränenleer,

Und zum König bringt man die Wundermär;

Der fühlt ein menschliches Rühren,

Läßt schnell vor den Thron sie führen.

Und blicket sie lange verwundert an;

Drauf spricht er: “Es ist euch gelungen,

Ihr habt das Herz mir bezwungen,

Und die Treue, sie ist doch kein kein leerer Wahn –

So nehmet auch mich zum Genossen an.

Ich sei, Gewährt mir die Bitte,

In eurem Bunde der Dritte.

Gedicht Majestas populi von Friedrich Schiller

Majestät der Menschennatur! dich soll ich beim Haufen

Suchen? Bei Wenigen nur hast du von jeher gewohnt.

Einzelne Wenige zählen, die übrigen alle sind blinde

Nieten; ihr leeres Gewühl hüllet die Treffer nur ein.

Gedicht Wiederholung von Friedrich Schiller

Hundertmal werd ichs euch sagen und tausendmal: Irrtum ist Irrtum!
Ob ihn der größte Mann, ob ihn der kleinste beging.

Gedicht Liebe und Begierde von Friedrich Schiller

Recht gesagt, Schlosser! Man liebt, was man hat, man begehrt,
was man nicht hat;
Denn nur das reiche Gemüt liebt, und das arme begehrt.

Gedicht An*** von Friedrich Schiller

Ja, ich liebte dich einst, dich, wie ich keine noch liebte;

Aber wir fanden uns nicht, finden uns ewig nicht mehr.

Gedicht Breite und Tiefe von Friedrich Schiller

Es glänzen viele in der Welt,

Sie wissen von allem zu sagen,

Und wo was reizet und wo was gefällt,

Man kann es bei ihnen erfragen,

Man dächte, hört man sie reden laut,

Sie hätten wirklich erobert die Braut.

Doch gehn sie aus der Welt ganz still,

Ihr Leben war verloren.

Wer etwas Treffliches leisten will,

Hätt gern was Großes geboren,

Der sammle still und unerschlafft

Im kleinsten Punkte die höchste Kraft.

Der Stamm erhebt sich in die Luft

Mit üppig prangenden Zweigen,

Die Blätter glänzen und hauchen Duft,

Doch können sie Früchte nicht zeugen,

Der Kern allein im schmalen Raum

Verbirgt den Stolz des Waldes, den Baum.

Gedicht Das Glück und die Weisheit von Friedrich Schiller

Entzweit mit einem Favoriten
Flog einst Fortun’ der Weisheit zu:
“Ich will dir meine Schätze bieten,
Sei meine Freundin du!

Mit meinen reichsten schönsten Gaben
Beschenkt’ ich ihn so mütterlich,
Und sieh, er will noch immer haben,
Und nennt noch geizig mich.

Komm Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
Du marterst dich an deinem Pflug,
In deinen Schoß will ich sie gießen,
Hier ist für dich und mich genug.”

Sophia lächelt diesen Worten,
Und wischt den Schweiß vom Angesicht;
“Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden,
Versöhnet euch, ich brauch’ dich nicht.”

aus: Gedichte. Zweiter Theil . 1805

Die Erstfassung des Textes lesen Sie hier:

Das Glück und die Weisheit

Entzweit mit einem Favoriten,
Flog einst Fortun’ der Weisheit zu.
“Ich will dir meine Schätze bieten,
Sei meine Freundin du!

Mein Füllhorn goß ich dem Verschwender
In seinen Schoß, so mütterlich!
Und sieh! Er fordert drum nicht minder
Und nennt noch geizig mich.

Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
Du keuchst so schwer an deinem Pflug.
In deinen Schoß will ich sie gießen,
Auf, folge mir! – Du hast genug.”

Die Weisheit läßt die Schaufel sinken
Und wischt den Schweiß vom Angesicht.
“Dort eilt dein Freund – sich zu erhenken,
Versöhnet euch – ich brauch dich nicht.”

Gedicht Glück auf den Weg von Friedrich Schiller

Manche Gefahren umringen euch noch, ich hab sie verschwiegen,
Aber wir werden uns noch aller erinnern – nur zu!

Gedicht Wahl von Friedrich Schiller

Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk,
Mach es wenigen recht; vielen gefallen ist schlimm.

Gedicht Vernünftige Betrachtung von Friedrich Schiller

Warum plagen wir einer den andern? Das Leben zerrinnet,
Und es versammelt uns nur einmal wie heute die Zeit.