Liebesgedichte für deinen allerliebsten Schatz

  • Liebesgedichte – An einen Ingenieur, Liebhaber der Phyllis von Anna Louisa Karsch
    Liebesgedichte von Anna Louisa Karsch

    Liebesgedichte – Liebhaber der Phyllis von Anna Louisa Karsch

    Liebesgedichte – An einen Ingenieur, Liebhaber der Phyllis von Anna Louisa Karsch Du kennst den Grund der Festungswerke. Mit einem Blicke messest du Der Schanzen und der Mauern Stärke; Doch meine Muse ruft dir zu: So wahr, als Friedrich unvergessen Bewundert wird in später Zeit, So wahr ist dies Unmöglichkeit Des Herzens Tiefen auszumessen. Sei klug, bedenke dich so schlau Wie einst Ulysses ist gewesen, Nie wirst du der verschmitzten Frau Verborgenste Gedanken lesen. Sie decket ihre feinste List Mit Blumen zu, bis du gefangen Gleich einem Dohnenvogel bist. Sie schmachtet, seufzt, netzt ihre Wangen Mit Thränen, die sie künftig weint. Sie nennt dich oft in einer Stunde Wohl tausendmal den besten Freund, Und schwört mit schmeichlerischem Munde Beim Grabmal ihres Vaters, bei Den Sternen und bei allen Göttern, Bei Sonnenschein und Donnerwettern, Daß ihr dein Kuß noch süßer sei, Als Süßigkeit von jungen Bienen; Und zaubert dich mit holden Mienen An ihre giftbestrichne Brust Und nennt dich ihre größte Lust, Den ersten Abgott ihrer Seele, Den reichsten Jüngling von der Welt, Den Menschen, der in einer Höhle Mehr ihren Augen wohlgefällt, Als Prinzen, die so fein nicht fühlen Im Prunksaal und auf goldnen Stühlen Und einer sammtbezognen Bank. Sie stellt sich gar vor Liebe krank, Und redet nur gebrochne Töne. O sanfter Jüngling, glaub es nicht: Es ist die Stimme der Syrene, Die ausstudirte Worte spricht.  

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    Liebesgedichte von Anna Louisa Karsch

    Liebesgedichte – An Denselben von Anna Louisa Karsch

    [vc_row][vc_column][vc_column_text] Milon, gestern war ich selig, Wie ein Sonnenbürger ist: Ach mein Auge hat unzählig Diese Stirne sanft geküßt, Die der Mahler kaum so göttlich Mahlen wird, als du sie hast. Mache mir doch künftig spöttlich Nicht die Tage mehr zur Last – O was hab ich ausgestanden, Als Zemire ward gespielt, Und mich deine Blicke fanden, Und ich nicht den Trost erhielt, Daß du in der Nähe bliebest. Sage mir, warum du so Meiner Seele Kummer liebest? Sprich, warum dein Fuß entfloh, Daß ich deiner vollen Schläfe Feine Locken nicht mehr sah? Denke nur, wie mir geschah, Fast als ob ein Blitz mich träfe, Weinen wollt ich eine Fluth, Durfte nicht und mussts ersticken. Schmerz durchflammete mein Blut, Wehmut saß in meinen Blicken, Bis Zemirens Rose kam, Und ich meine Rosen dachte, Und der gar zu schwere Gram Sich durch Thränen leichter machte. [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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    Liebesgedichte von Anna Louisa Karsch

    Liebesgedichte – Arie von Anna Louisa Karsch

    [vc_row][vc_column][vc_column_text] In Schwiebus 1742 Vergnügte Einsamkeit! du bist die Ruhe, So meine stille Brust sich längst erwählet, Was ich hier unternehm, gedenk und thue, Das wird der Weltcensur nicht aufgestellt; Bin ich gleich stets allein und ganz verborgen, So bleibt mein freier Sinn doch ungekränkt: Ich lebe höchst content und ohne Sorgen, Weil mir die Einsamkeit Vergnügen schenkt. Es giebt verschiedene Art von Lustbarkeiten, So die galante Welt höchst schätzbar preist; Doch wenn mans überlegt sinds Eitelkeiten, Drum sag ich noch einmal: mein freier Geist Ehrt mit gelaßnem Muth die stillen Stunden, So das Verhängniß mir hier zugezählt, Es wird auch in der That sonst nichts gefunden, Das mehr Vergnügen giebt und mir gefällt. So magst du denn o Welt, das Eitle loben, Geh mache dir Pläsir wie dirs beliebt, Mir ist die größte Lust noch aufgehoben, Die dort das höchste Gut den Seelen giebt. Ach ich verlache nur das Weltgetümmel, Indem mein Herze sich die Losung setzt: Mein bester Theil mein Schatz ist noch im Himmel, Und hier ist Einsamkeit was mich ergötzt. [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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    Liebesgedichte von Anna Louisa Karsch

    Liebesgedichte – Mein Herz und ich von Anna Louisa Karsch

    [vc_row][vc_column][vc_column_text] Deckt noch der Schlaf dein Auge zu, Mein Liebster? O, um süßer dich zu denken, Laß ich die Trunkenmacherin, die Ruh, Aus ihrem Kelch mich minder tränken. Du wachst vielleicht, durch Glockenschlag Aus sanfter Ruh, aus süßem Schlaf gestöret, Ich wache, weil mein Herze Nacht und Tag In sich laut deinen Namen höret. [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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    Liebesgedichte von Anna Louisa Karsch

    Liebesgedichte – über die Begierde des Säuglings von Anna Louisa Karsch

    [vc_row][vc_column][vc_column_text] Ob Weizen reift zu Semmel oder Kuchen, Darüber sorgt der Säugling nicht, Der einen Busen weiß zu suchen, Und lallend mit der Amme spricht. Er bittet nicht um Regen oder helle Vom Lerchenchor durchsungne Luft, Wenn selbst die halbversiegte Quelle Zum Jupiter um Nässe ruft, Er kennet keine Güter, des Bestrebens, Des Wunsches seiner Seele werth, Ihm ist das ganze Glück des Lebens Die volle Brust, die ihn ernährt. Nach ihr verlangt er heißer als die Schaaren Der Römer bey dem Marc Anton Nach Wasser, als sie schmachtend waren, Und kämpfend vor den Parther flohn. An diese Brust fällt er mit größerm Geize Als ein verliebter Jünglingsmund An Lippen, die durch ihre Reize Sein junges Herze machten wund. Und wenn er nun dies erste Glück verlieret Und seinen ersten Kummer weint, Wird seine Mutter tief gerühret, Mit ihm zur Traurigkeit vereint. Es dünkt ihr hart, den Säugling so zu quälen, Und doch ists ein nothwendig Muß: So weislich läßt der Himmel fehlen Uns Größern oft den Ueberfluß. Er thät es nie, wenn nicht Sein Auge wüßte, Was jedem Menschen nützlich sey, Er nimmt die Nahrung unsrer Lüste Und legt uns etwas Beßres bey. [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]