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Liebesgeschichte – Sara und Tom: Zärtlichkeit hat Flügel

Liebesgeschichte – Sara und Tom: Zärtlichkeit hat Flügel

Liebesgeschichte – Sara und Tom: Zärtlichkeit hat Flügel

Obwohl es schon Frühsommer war, schien der Wettergott heute verstimmt zu sein. Es regnete in Strömen und der Junihimmel war mit grauen Schleiern überzogen. Sara reckte ihre rechte Fußzehe, dann den linken. Heute waren die letzten Zwischenprüfungen und bald hatte sie mal wieder richtig viel Zeit. Zeit für sich und ihre Freunde und vor allem für Jonas. Sie kannten sich schon seit der Schulzeit und waren sich sicher, ihre Liebe würde auch große Distanzen überstehen. Wie ihre Eltern wohnte Jonas in Frankfurt. Während Saras Prüfungsphase hatten sie sich kaum gesehen. Na ja, sie telefonierten schrieben sich Mails, skypten, was man so alles tat, wenn man keine körperlichen Zärtlichkeiten austauschen konnten.
Als Sara am späten Nachmittag im Zug nach Frankfurt saß, fiel die ganze Anspannung der letzten Wochen von ihr ab. Sie fühlte sich beschwingt und freute sich schon auf Jonas, der sie vom Bahnhof abholen würde. Ihr Gegenüber grinste sie freundlich an: ein gut aussehender Mann, der durch Kopfhörer von seiner Umwelt abgekapselt schien und einen Band Liebesgedichte in der Hand hielt. Äußert sympathisch sah er aus mit seinen dunklen Locken und den bernsteinfarbenen Augen. Sara ertappte sich dabei, dass sie ihn eingehend musterte.
„Na, magst du mal rein hören, vielleicht gefällt’s dir?“ Mit Schwung reichte er ihr den kleinen Kopfhörer, den Sara in ihrer Ohrmuschel platzierte. Hübsch war der Song und sie nickte ihm anerkennend zu.
„Du hast es wohl mit der Liebe, auch wenn sie im Lied ziemlich trist beschrieben wird, ist denn deine Lektüre spannender? “, meinte sie lachend. „ Wie man es so nimmt, eigentlich brauche ich nur Inspirationen. Freunde von mir feiern am Wochenende in Frankfurt Verlobung und ich wollte ihnen zur Party ein paar Gedichte vortragen. Du fährst wohl auch nach Frankfurt?“
Ich bin übrigens Tom“, stellte er sich vor und Sara nannte ebenfalls ihren Namen. „Ach, ist das heute noch angesagt, ich dachte Verlobung sei vollkommen out?“, Sara schaute Tom mit großen Augen an.
„Die beiden sind absolute Romantiker, warum also nicht. Sie wollen das Fest ganz unkonventionell in ihrer neuen Wohnung feiern, vielleicht magst du auch kommen?“
„Die kennen mich doch gar nicht“, Sara tat ein wenig entrüstet, doch Tom beruhigte sie. „Keine Sorge, ich habe doch gesagt, alles ganz easy. Da kommt es auf den einen oder anderen netten Gast nicht an.“ Er nannte ihr eine Adresse in Sachsenhausen und sie tauschten ihre Handynummern aus. Selten hatte Sara einen so charmanten Gesprächspartner im Zug getroffen, und ehe sie sich versah, fuhr der ICE in den Frankfurter Hauptbahnhof ein.
Am Bahngleis stand bereits Jonas. Mit einem „wir sehen uns“ verabschiedete sich Tom, und ehe sich die junge Frau versah, küsste er sie zum Abschied auf die Wange.
„Ist das ein Kommilitone von dir?“, erkundigte sich Jonas, doch als Sara abwinkte, fragte er nicht weiter nach. Überhaupt schien er ungewohnt schweigsam. Angenehm war der Abend zumal das Regenwetter nicht nach Frankfurt gekommen war. Als die beiden im Wagen saßen, meinte Jonas: „Komm, lass und uns zum Eisernen Steg fahren, ich muss dir etwas sagen.“ Am Mainufer fanden sie eine Bank und von irgendwo kam der süße Gesang einer Nachtigall.
„Sara, du weißt, das ich kein Mensch langer Worte bin“, Jonas druckste herum, „aber wir waren einfach zu lange getrennt. Die paar Mal, die wir uns gesehen haben, waren ganz nett, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich eigentlich kein Typ für Fernbeziehungen. Kurz, ich habe mich in Marie verliebt, die hier in wohnt und studiert.
Sara schluckte. Das war hart, sie so vor den Kopf zu stoßen. Doch als sie Jonas fragte, wieso er nicht schon früher die Katze aus dem Sack gelassen habe, meinte dieser nur lapidar: „Du warst doch im Unistress, ich wollte dir einfach die Prüfungen nicht verderben. Komm, lass uns wenigstens Freunde sein“, Jonas legte seinen Arm um sie, doch Sara starrte wie blind in den Fluss.
Als Sara später in ihrem Mädchenzimmer war, konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ihre Eltern zeigten Verständnis, jedoch nicht nur für sie, sondern auch für Jonas.
„Natürlich bist du jetzt verletzt, vielleicht hätte er es auch schon früher beichten sollen, doch sehe es doch einfach mal positiv: Jetzt steht dir alles offen, du musst es nur zu nutzen wissen. Und wenn du ehrlich bist, hätte eure Beziehung noch lange gehalten? Sicher, du bist momentan maßlos enttäuscht, aber ist dass nicht auch gekränkte Eitelkeit? Lass‘ doch erst mal Gras über die Sache wachsen. Morgen sieht alles schon anders aus.“ Saras Mutter saß an ihrem Bett und hielt ihr eine dampfende Tasse hin.
„Grüner Tee, damit du auf andere Gedanken kommst. Geh unter die Menschen, besuche deine Freunde, genieße den Sommer. Hier in Frankfurt gibt es tausend Möglichkeiten, sich vom Liebeskummer zu kurieren.“
„Apropos, war das wirklich noch Liebe oder bereits Gewohnheit, wie bei einem alten Ehepaar? Mädchen, du bist Anfang zwanzig und damit noch viel zu jung, um Trübsal zu blasen. Bis zum nächsten Valentinstag bist du bestimmt wieder vergeben“, jetzt hatte der Vater auch die Situation kommentiert und Sara konnte sich trotz allem ein Lächeln nicht verkneifen.
Eigentlich hatten die Eltern recht, und nachdem sie zusammen noch ein Glas Wein getrunken hatten, rief Sara einige Freunde an. Am nächsten Tag traf sie sich in einem Café mit Suse, und als sie ihr von der lustigen Zugbekanntschaft erzählte, war die Freundin gleich Feuer und Flamme.
„Was will dieser Knabe vortragen, Liebesgedichte? Und was findet da statt, eine Verlobung? Ganz schön schräg, deine neue Bekanntschaft, aber ich würde an deiner Stelle hingehen, neue Leute lernst du dort auf jeden Fall kennen. Am besten, du meldest dich bei ihm und erkundigst dich nach dem Stand der Dinge“, Suse drückte der Freundin ihr Handy in die Hand. Tom meldete sich sofort und lud die beiden jungen Frauen spontan in die Wohnung seiner Freunde ein.
„Wenn ihr beiden nichts anderes vorhabt, könnt ihr uns vielleicht ein paar Ratschläge geben, was die Innendeko angeht?“, sagte er und nannte die Adresse. Kurze Zeit später befanden sich die Freundinnen in einer Altbauwohnung, wo es mehr als chaotisch aussah und zuging. Die Mieter, ein junges Paar, waren jedoch zuversichtlich, das alles bis zur Verlobung in zwei Tagen eingerichtet sein würde. Tom steckte mit seiner guten Laune alle an und schnell hatten sie mit vereinten Kräften Schränke und Kommoden gerückt, das eine oder andere Bild aufgehängt und mit ein paar Pflanzen eine heimelige Atmosphäre geschaffen. Später ließen sie sich alle Pizza bringen und schmausten einträchtig in der hübschen Wohnküche. Tom schaute Sara immer wieder verschmitzt an und prostete ihr zu. „Was Mainhattan so alles zu bieten hat, tolle Altbauwohnungen, Sachsenhausen, jede Menge Kunst und Kultur und vor allem hübsche Frauen.“
Als die beiden Freundinnen später im Auto saßen, meinte Suse lachend: „Hast du das nicht gemerkt, Tom hat doch nur Augen für dich, wahrscheinlich hat er sich schon während der Zugfahrt in dich verguckt, und du scheinst auch ein Faible für ihn zu haben.“
Sara schaute sie perplex an, doch dann wurde sie nachdenklich. Vielleicht hatte die Freundin ins Schwarze getroffen, kein Wunder, sie kannten sich ja schon seit Kindesbeinen und Suse schien in ihrer Seele zu lesen, wie in einem Buch.
Am nächsten Morgen klingelte Saras Handy. „Wollen wir heute etwas zusammen unternehmen, schau mal aus dem Fenster, das Wetter ist einfach traumhaft“, Tom sprudelte vor Energie und Sara ließ sich anstecken.
„Musst du deinen Freunden nicht noch helfen?“, fragte sie, doch Tom meinte nur, auch er habe einen freien Tag verdient und viel sei ohnehin nicht mehr zu tun.
„Die Party ist erst übermorgen und außerdem bekommt das ganze Ambiente ein besonderes Flair, wenn es nicht so tipptop gestylt ist.
„Ok, dann sagen wir in einer halben Stunde am Eisernen Steg, bei den Liebesschlössern, du wirst es schon sehen“, schlug Sara beschwingt den Treffpunkt vor. Als sie sich kurze Zeit später trafen, war Tom geplättet: “Mein Gott, das sind mir vielleicht mal Liebesbeweise!“ Er deutete auf die unzähligen Vorhängeschlösser, die am Eisernen Steg befestigt waren. „Sollte jemand noch ein besonderes Geschenk für die Hochzeit suchen, hier ist er goldrichtig!“
Dann liefen sie Hand in Hand zum Römerberg. Die Vertrautheit hatte sich unwillkürlich ergeben und Sara fühlte sich so wohl, wie schon lange nicht mehr. Später saßen sie in einer kleinen japanischen Patisserie, verzehrten süßen Kuchen und tranken dazu grünen Tee.
„Komisch, dass wir uns erst hier in Frankfurt über den Weg laufen, wo wir doch beide in Heidelberg leben?“, scherzte Tom.
„Wahrscheinlich war es vorbestimmt, dass wir uns erst jetzt begegnet sind“, sie schaute ihm gedankenverloren in seine schönen Augen und hatte das Gefühl sich darin zu verlieren.
„He Sara, bist du noch da?“, Tom nahm ihre Hand und tat, als ob er die Linien lesen würde. „Komm, lass und noch ein wenig am Main entlang spazieren, heute ist es nicht gar so schwül und ein frischer Wind wird uns gut tun. Sie spazierten wieder über den Eisernen Steg, Hand in Hand, und als sie am Museumsufer im Gras lagen, schien nicht nur für Sara die Welt noch mal so schön. Tom drehte sich zu ihr und suchte zärtlich ihre Lippen.

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