Was möchten Sie suchen?

ImStandard

Liebesgedichte – An die Sonne von Aloys Blumauer

Liebesgedichte – An die Sonne von Aloys Blumauer

Liebesgedichte – An die Sonne von Aloys Blumauer

 

Frau Sonne, diesmal trifft sie’s nicht,
Wenn sie von meinem Liede
Sich nichts, als Schmeichelei, verspricht;
Ich bin des Lobens müde.
D’rum höre sie: Trotz ihrem Glanz,
Und Strahlenrock und Sternenkranz,
Trotz ihrer gold’nen Scheitel,
Ist sie ein Weib – und eitel.

Bespiegelt und begäffelt sie
Sich nicht in jedem Teiche?
Begeht sie nicht, so spät als früh,
Die tollsten Weiberstreiche?
Ein wunderschöner Lebenslauf! –
Geschminkt steht sie des Morgens auf,
Geschminkt geht sie zu Bette,
Wie eine Erzkokette.

Sie prätendirt, die ganze Welt
Soll sich in sie vergaffen;
Sobald ihr’s aufzusteh’n gefällt,
Da soll kein Thier mehr schlafen:
Der Hahn muß auf zum Morgengruß,
Sogar die Sonnenblume muß
Den Seladon ihr spielen,
Und stets nach ihr nur schielen.

Sie glaubt, die Vögel übeten
Für sie nur ihre Kehlen,
Und schämt sich nicht, uns Schlafenden
Die Frühmusik zu stehlen:
Und können Abends die nicht mehr,
So müssen Frösch’ und Grillen her,
Und ihr ein Tutti singen,
Um sie in Schlaf zu bringen.

Auch ist sie gar zu sehr erpicht,
Mit ihrem Reiz zu prahlen,
Stets soll er uns in’s Angesicht
Ganz ohne Schleier strahlen;
Schlei’rt ihn ein Sommerwölkchen ein,
So blitzt und donnert sie darein
Bei hellen Thränengüssen,
Bis sie den Schlei’r zerrissen.

Da schwimmt nun ihre Majestät
In einem Meer von Glanze,
Und wo sie nur vorübergeht,
Da huldigt Strauch und Pflanze.
Die armen Blümchen dauern mich,
Sie bücken bis zur Erde sich;
Kein’s darf das Köpfchen heben,
Bis sie sich wegbegeben.

Doch, daß sie niemand d’rum besieht,
Wie ihr die Runzeln lassen,
So pflastert sie sich täglich mit
Demanten und Topassen:
Das treibt sie bis zum Augenweh;
Doch pflegte sie im Negligé
Nur einmal auszugehen,
Wir würden Wunder sehen.

Mit schönen Mädchen treibt sie gar
Ein jämmerlich Spektakel:
Nimmt sie nur ein’s von weitem wahr,
Husch schüttelt sie die Fackel,
Und brennt die feinste Lilienhaut
So kohlpechschwarz, daß einem graut
Und könnte sie, ich glaube,
Sie brennte sie zu Staube.

Doch wissen ihr auch ritterlich
Die Schönen Trotz zu bieten,
Und kämpfen gegen ihren Stich
Mit Fächer, Schirm und Hüten:
D’rum hat Madam wohl hundertmal
Gewünscht: Ha! daß die Dirnen all’
Von Schmalz und Butter wären,
Wie wollt’ ich sie zerstören!

Zwar, daß sie gern sich trägt zur Schau,
Ließ sich noch übersehen;
Doch ihre Neugier, gnäd’ge Frau,
Ist gar nicht auszustehen.
Denn, weil sie grosse Augen hat,
So, meint sie, dürf’ in Feld und Stadt
Nichts unbegafft geschehen,
Sie müsse alles sehen.

Da guckt, wenn man im Bett noch liegt,
Sie durch die Fensterscheiben,
Kein Mädchen will, so ungeblickt,
Dann mehr im Bette bleiben:
Das thut sie bloß aus Eifersucht:
In Grotten und in Lauben sucht
Sie sich hineinzustehlen,
Die Liebenden zu quälen.

Ey pfui, Madam, so kurios
Ist wohl kein Weib auf Erden.
So muß denn alles, klein und groß,
Von ihr beglasaugt werden?
Was hilft’s? verkröche man sich auch
Selbst in der Mutter Erde Bauch,
Sie ist im Stand der Alten
Den Bauch entzwei zu spalten.

Sie selbst gibt doch den Frauen kein
Gar sonderlich Exempel.
Wo sie ist, trollt Herr Mondenschein
Sich flugs hinaus zum Tempel.
Man weiß ja wohl Frau Ueberall,
Warum sie diesen zum Gemahl
Vor allen auserlesen –
Weil er stockblind gewesen.

Kein so verbuhltes Weib gibt’s nicht
Im Himmel und auf Erden;
Bekäm’ Herr Mond sein Augenlicht,
Er müßte rasend werden.
Bis mit den Sternen sie nicht satt
Gebuhlt und liebgeäugelt hat,
Eh pflegt sie ihren Grauen
Nicht einmal anzuschauen.

Sie kann, so oft es ihr gefällt,
Ein Schnippchen ihm versetzen,
D’rum trägt er auch vor aller Welt
Zwei Hörner zum Entsetzen;
Und will der Hahnrei seinem Weib
Zuweilen näher auf den Leib,
So kriegt er finst’re Blicke
Und muß beschämt zurücke.

Sie läßt sich zwar die Königin
Des Sternenhimmels schelten;
Allein den königlichen Sinn
Muß man genug entgelten:
Sie sengt und brennt ja mörderlich,
Und weiß dabei – recht königlich, –
Für ihre Hand voll Weizen
Des Pflügers Haut zu beizen.

Gibt sie die eine Hand uns voll,
So nimmt sie mit der andern:
Sie geht ja um mit Kraut und Kohl,
Als wie mit Salamandern:
Mit ächter Königspolitik
Versenget sie oft Stück für Stück,
Die Felder und die Saaten,
Läßt Trauben nur gerathen.

Ey, für ein königliches Haupt
Heißt das sich sehr vergessen,
Wenn man von Unterthanen glaubt,
Sie könnten Kohlen fressen.
Nicht wahr, Frau Klug, ihr fiel nicht ein,
Daß man beim allerbesten Wein
Und einer leeren Tenne
Fein hübsch verhungern könne.

Man nennt mit Recht sie das Modell
Von königlichen Geistern,
Die mit dem ersten Blicke schnell
Ein ganzes Weltall meistern:
Denn auch Madam mit ihrem Licht
Sieht alles – nur sich selber nicht,
Und wird an sich die Flecken
Wohl nimmermehr entdecken.

Ich aber bin nicht undankbar,
Daß ich von ihr gebeichtet,
Was lang mir auf dem Herzen war,
Indeß sie mir geleuchtet;
Denn, um für ihren Sonnenschein
Ihr gar nicht obligirt zu sein,
Schrieb ich an dem Gedichte
Nur Nachts – beim Kerzenlichte.

0 Comment 163 Views
%d Bloggern gefällt das: