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Gedichte von Liebe & Leben – Mitte des Winters von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Mitte des Winters von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Mitte des Winters von Georg Heym

 

Das Jahr geht zornig aus. Und kleine Tage
Sind viel verstreut wie Hütten in den Winter.
Und Nächte ohne Leuchten, ohne Stunden,
Und grauer Morgen ungewisser Bilder.

Sommerzeit, Herbstzeit, alles geht vorüber,
Und brauner Tod hat jede Frucht ergriffen.
Und andre kalte Sterne sind im Dunkel,
Die wir zuvor nicht sahn vom Dach der Schiffe.

Weglos ist jedes Leben. Und verworren
Ein jeder Pfad. Und keiner weiß das Ende,
Und wer da suchet, daß er Einen fände,
Der sieht ihn stumm und schüttelnd leere Hände.

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Gedichte von Liebe & Leben – Gewölke gleich von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Gewölke gleich von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Gewölke gleich von Georg Heym

 

Gewölke gleich, das stirbt in dürrer Stille
Im götterlosen Herbst auf kahler Flur,
Zergingen alle Träume. Und uns blieben
Nur schale Krüge und ein starrer Kranz.

In Morgen-Wehmut schien es zu zerrinnen,
Was noch im Träume-Feuer glomm,
Wir lagen stumm in dem erfrornen Himmel
Und hörten unten dumpf der Tore Schall.

Du ruhtest noch, verwelkt, im frühen Schlummer,
Der sich von deiner Schläfe langsam hob,
Und wie ein Trauermantel kühlen Fluges
Im Dunkel sich der Stuben klein verlor.

Ein weißes Licht ging über deine Lippen,
Du wachtest auf und lagst an meiner Brust,
Und ich, wie eine Distel dürr und trOcken,
Verbarg in flache Küsse deine Stirn.

Vergiß! Und komm. Daß ich, Ischariot,
Noch einmal deines Mundes Flammen wecke
Und singen kann. Daß ich die Lider senke
Und wie ein Schiff auf roten Finsternissen

Durch blasse Sterne, die versinken wollen,
In leere Weiten treibe und den Tod,
Den Vögeln gleich, die unter großem Fittich
Verbergen hoch ein böses Morgenrot.

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Gedichte von Liebe & Leben – Gina von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Gina von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Gina von Georg Heym

 

Noch weht um dich der Duft der großen Steppen,
Der Sommer Polens, und der Wogengang
Der Weizenfelder, wenn den Fluß entlang
Der Treidler Schultern große Flöße schleppen.

Tief, wie die schwarzen, herbstlichen Zisternen,
Die einsam stechen in das Morgengraun,
Sind deine Augen, die ins Weite schaun
Aus engen Straßen nach den Wintersternen.

Du wurdest für ein wildes Pferd geschaffen,
Für einen Ritt durch Nächte und Gefahr,
Die Tschapka auf der Stirn mit Goldagraffen.

Darunter flatterte dein schwarzes Haar,
Und wie von Silber glänzten unsre Waffen,
Wenn durch die Mondnacht zieht der weiße Aar.

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Liebesgedichte – Liebe, Liebe, wo bist du… von Georg Heym

Liebesgedichte – Liebe, Liebe, wo bist du… von Georg Heym

Liebesgedichte – Liebe, Liebe, wo bist du… von Georg Heym

 

Liebe, Liebe, wo bist du?

Wo bist du, die ich lieben möchte.

Wo bist du, bei der ich ausruhn möchte.

Vielleicht sitzest du jetzt

Auf deines Bettes Rand,

Und denkst daran,

Daß du mich nicht finden kannst,

Wie ich dich nicht finden kann.

Ich steh am Fenster, kratz mit der Hand

Das Eis von den Scheiben.

Seh ich hindurch,

Seh ich nichts als dunkele Nacht.

Dreh ich mich um,

Flackert das Licht hin und her

An meinem Bette,

Wie ein Totenlicht an der letzten Stätte.

Ich will mich jetzt schlafen legen,

Verschlafen die Winternacht.

Morgen kommt wieder ein Tag.

Ich werde dich wieder nicht finden.

Ach, vielleicht gehst du mir

Morgen vorüber.

Und ich kenne dich nicht

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Gedichte von Liebe & Leben – Den Wolken von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Den Wolken von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Den Wolken von Georg Heym

Der Toten Geister seid ihr, die zum Flusse Zum überladnen Kahn der Wesenlosen Der Bote führt; eur Rufen hallt im Tosen Des Sturms und in des Regens wildem Gusse.

Der Toten Geister seid ihr, die zum Flusse
Zum überladnen Kahn der Wesenlosen
Der Bote führt; eur Rufen hallt im Tosen
Des Sturms und in des Regens wildem Gusse.

Des Todes Banner wird im Zug getragen.
Des Heers carrocha führt die Wappentiere.
Und graunhaft weiß erglänzen die Paniere,
Die mit dem Saum die Horizonte schlagen.

Es nahen Mönche, die in Händen bergen
Die Totenlichter in den Prozessionen.
Auf Toter Schultern morsche Särge thronen,
Und Tote sitzen aufrecht in den Särgen.

Ertrunkne kommen, Ungeborner Leichen,
Gehängte blaugeschnürt, die Hungers starben
Auf Meeres ferner Insel, denen Narben
Des schwarzen Tods umkränzen rings die Weichen.

Es kommen Kinder in dem Zug der Toten
Die eilend fliehe, Gelähmte vorwärtshasten.
Der Blinden Stäbe nach dem Pfade tasten
Wo Abgrund rings an Abgrund dunkel drohten.

Der crucifixus ward einhergetragen.
Da hob der Sturm sich in der Toten Volke.
Vom Meere scholl und aus denn Schoß der Wolke
Ein nimmerendend grauenvolles Klagen.

Es wurde dunkel in den grauen Lüften,
Es kam der Tod mit ungeheuren Schwingen,
Es wurde Nacht, da noch die Wolken gingen
Dem Orkus zu und den geleerten Grüften.

II.

Ihr kommet von des dunklen Meeres Haus
Mit langen Mähnen und mit grauen Hufen.
Des Sturmes Vogel schwang sich euch voraus,
Vor Tage schon erscholl im Land sein Rufen.

Ihr stürzt ins Waldtal und ihr hebt euch fort,
Apokalypsis‘ Reiter aus dem Grunde.
Es schwankt des Sturmschiffs graugefügter Bord,
Ins Brachfeld jagt es, weiter jede Stunde.

Der Baum, an dem des Sommers Schatten findet
Im heißen Feld der müden Schnitter Schar,
Von dunklen Flammen scheint er angezündet,
Wie ein Gerippe, jedes Lebens bar.

ihr blinden geister, wie bin ich verwandt
Euch rastlos Ziehnden, die die Heimat suchen,
Ihr findet nie des stillen Friedens Land.
Ein Engel steht davor, euch zu verfluchen.

Ihr wollet lieben, doch der Liebe Hand
Stoßt ihr von euch in ungestümem Wüten.
Es schmerzt euch kaum, zerbrecht ihr ihre Blüten.
Ein dunkles Schicksal und uns unbekannt.

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Gedichte von Liebe & Leben – Berlin von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Berlin von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Berlin von Georg Heym

 

Der hohe Straßenrand, auf dem wir lagen,
War weiß von Staub. Wir sahen in der Enge
Unzählig: Menschenströme und Gedränge,
Und sahn die Weltstadt fern im Abend ragen.

Die vollen Kremser fuhren durch die Menge,
Papierne Fähnchen waren drangeschlagen.
Die Omnibusse, voll Verdeck und Wagen.
Automobile, Rauch und Huppenklänge.

Dem Riesensteinmeer zu. Doch westlich sahn
Wir an der langen Straße Baum an Baum,
Der blätterlosen Kronen Filigran.

Der Sonnenball hing groß am Himmelssaum.
Und rote Strahlen schoß des Abends Bahn.
Auf allen Köpfen lag des Lichtes Traum..

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Gedichte von Liebe & Leben – Der Gott der Stadt von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Der Gott der Stadt von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Der Gott der Stadt von Georg Heym

 

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
Die letzten Häuser in das Land verirrn.

Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
Die großen Städte knien um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.

Wie Korybanten-Tanz dröhnt die Musik
Der Millionen durch die Straßen laut.
Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.

Das Wetter schwelt in seinen Augenbrauen.
Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.

Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.
Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
Durch eine Straße. Und der Glutqualm braust
Und frißt sie auf, bis spät der Morgen tagt.

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Liebesgedichte – An meine kleine Freundin von Georg Heym

Liebesgedichte – An meine kleine Freundin von Georg Heym

Liebesgedichte – An meine kleine Freundin von Georg Heym

 

Wer hätte das gedacht!

Das kam wohl über Nacht.

Denn als ich aufgewacht,

Da warst auf einmal du

Mein kleiner Herztyrann.

Sieh doch mal einer an,

Was Amor alles kann.

Schon weiß ich, was ich tu,

Damit du gnädig bist,

Und mich nicht gleich vergißt:

Ich mach dir dies Gedicht.

Ich hoff, es ist so schlicht,

So süß und zart wie du.

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Gedichte von Liebe & Leben – Marengo von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Marengo von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Marengo von Georg Heym

 

Schwarzblau der Alpen, und der kahlen Flur,

Die Südsturm drohn. Mit Wolken tief verhangen

Ist grau das Feld. Ein ungeheures Bangen

Beengt den Tag. Den Atem der Natur

Stopft eine Faust. Hinab die Lombardei

Ist Totenstille. Und kein Gras, kein Baum.

Das Röhricht regt kein Wind im leeren Raum.

Kein Vogel streift in niedrer Luft vorbei.

Fern sieht man Wagen, wo sich langsam neigt

Ein Brückenpaar. Man hört den dumpfen Fall

Am Wasser fort. Und wieder droht und schweigt

Verhängnis dieses Tags. Ein weißer Ball,

Die erste der Granaten. Und es steigt

Der Sturm herauf des zweiten Prairial.

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Gedichte von Liebe & Leben – Für Mary aus Ahlbeck von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Für Mary aus Ahlbeck von Georg Heym

Gedichte von Liebe & Leben – Für Mary aus Ahlbeck von Georg Heym

 

Wir lagen tief in einer Dünenschlucht,

Bei Himbeersträuchern, sahn die Kämme nur

Der hohen Dünen, und der Sonne Spur,

Der Mittagsstunden langsam ziehnde Flucht.

Das Blut empfing den Kuß der Sonne tief,

Der ganze Leib empfing die warme Flut,

o welch ein Glück, da in der Sonne Glut,

Im goldnen Licht das ferne Leid entschlief.

Und langsam sang die Stille uns in Schlaf,

Wir hörten’s kaum noch, wenn der Wind vom Meer

Der Schiffer Stimmen trug zu uns einher,

Und selten Hufschlag noch das Ohr uns traf.

Wie Götter ruhten wir im goldnen Raum.

Des Winds Oboen, und des Sandes Klingen,

Der Halme Zittern, und der Bienen Singen,

Sie klangen leise in den süßen Traum.

Und manches Mal erwachten wir vom Schrei

Der weißen Möwen, der zu Häupten klang,

Und wenn der Wellen Brausen lauter drang

Im aufgefrischten Winde uns herbei.

Dann sahen wir ins tiefe Himmelsblauen.

o weites Reich, das unser Blick durchflog!

Ein Silberwölkchen nur im Lichte zog,

Dianas Bogen war es gleich zu schauen.