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Liebesgedichte – Unsere Träume sind Marmorhermen von Rainer Maria Rilke

Liebesgedichte – Unsere Träume sind Marmorhermen von Rainer Maria Rilke

Unsere Träume sind Marmorhermen,
die wir in unsere Tempel stellen,
und sie mit unseren Kränzen erhellen
und sie mit unseren Wünschen erwärmen.

Unsere Worte sind goldene Büsten,
die wir in unsere Tage tragen, –
die lebendigen Götter ragen
in der Kühle anderer Küsten.

Wir sind immer in Einem Ermatten,
ob wir rüstig sind oder ruhn,
aber wir haben strahlende Schatten,
welche die ewigen Gesten tun.

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Liebesgedichte – Wink von Johann Wolfgang von Goethe

Liebesgedichte – Wink von Johann Wolfgang von Goethe

Und doch haben sie recht, die ich schelte:

Denn, daß ein Wort nicht einfach gelte,

Das müßte sich wohl von selbst verstehn.

Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben

Blicken ein Paar schöne Augen hervor.

Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor,

Er verdeckt mir zwar das Gesicht,

Aber das Mädchen verbirgt er nicht,

Weil das Schönste, was sie besitzt,

Das Auge, mir ins Auge blitzt.

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Liebesgedichte – Begünstigte Tiere von Johann Wolfgang von Goethe

Liebesgedichte – Begünstigte Tiere von Johann Wolfgang von Goethe

Vier Tieren auch verheißen war,

Ins Paradies zu kommen;

Dort leben sie das ew’ge Jahr

Mit Heiligen und Frommen.

Den Vortritt hier ein Esel hat,

Er kommt mit muntern Schritten;

Denn Jesus zur Prophetenstadt

Auf ihm ist eingeritten.

Halb schüchtern kommt ein Wolf sodann,

Dem Mahomet befohlen:

„Laß dieses Schaf dem armen Mann!

Dem Reichen magst du’s holen.“

Nun, immer wedelnd, munter, brav,

Mit seinem Herrn, dem braven,

Das Hündlein, das den Siebenschlaf

So treulich mitgeschlafen.

Abuherriras Katze hier

Knurrt um den Herrn und schmeichelt;

Denn immer ist’s ein heilig Tier,

Das der Prophet gestreichelt.

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Liebesgedichte – Mailied von Johann Wolfgang von Goethe

Liebesgedichte – Mailied von Johann Wolfgang von Goethe

Zwischen Weizen und Korn,
Zwischen Hecken und Dorn,
Zwischen Bäumen und Gras,
Wo gehts Liebchen?
Sag mir das!

Fand mein Holdchen
Nicht daheim;
Muß das Goldchen
Draußen sein.
Grünt und blühet
Schön der Mai,
Liebchen ziehet
Froh und frei.

An dem Felsen beim Fluß,
Wo sie reichte den Kuß,
Jenen ersten im Gras,
Seh ich etwas!
Ist sie das?

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Liebesgedichte – Juni von Johann Wolfgang von Goethe

Liebesgedichte – Juni von Johann Wolfgang von Goethe

Hinter jenem Berge wohnt
Sie, die meine Liebe lohnt.
Sage, Berg, was ist denn das?
Ist mir doch, als wärst du Glas,

Und ich wär nicht weit davon;
Denn sie kommt, ich seh es schon,
Traurig, denn ich bin nicht da,
Lächelnd, ja, sie weiß es ja!

Nun stellt sich dazwischen
Ein kühles Tal mit leichten Büschen,
Bächen, Wiesen und dergleichen,
Mühlen und Rändern, den schönsten Zeichen,

Daß da gleich wird eine Fläche kommen,
Weite Felder unbeklommen
Und so immer, immer heraus,
Bis mir an Garten und Haus!

Aber wie geschichts?
Freut mich das alles nicht –
Freute mich des Gesichts
Und der zwei Äuglein Glanz,
Freute mich des leichten Gangs,
Und wie ich sie seh
Vom Zopf zur Zeh!

Sie ist fort, ich bin hier,
Ich bin weg, bin bei ihr.

Wandelt sie auf schroffen Hügeln,
Eilet sie das Tal entlang,
Da erklingt es wie mit Flügeln,
Da bewegt sichs wie Gesang.
Und auf diese Jugendfülle
Dieser Glieder frohe Pracht
Harret einer in der Stille,
Den sie einzig glücklich macht.

Liebe steht ihr gar zu schön,
Schönres hab ich nie gesehn!
Bricht ihr doch ein Blumenflor
Aus dem Herzen selbst hervor.

Denk ich: soll es doch so sein!
Das erquickt mir Mark und Bein;
Wähn ich wohl, wenn sie mich liebt,
Daß es noch was Beßres gibt?

Und noch schöner ist die Braut,
Wenn sie sich mir ganz vertraut,
Wenn sie spricht und mir erzählt,
Was sie freut und was sie quält.

Wie’s ihr ist und wie’s ihr war,
Kenn ich sie doch ganz und gar.
Wer gewänn an Seel und Leib
Solch ein Kind und solch ein Weib!

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Liebesgedichte – Harzreise im Winter von Johann Wolfgang von Goethe

Liebesgedichte – Harzreise im Winter von Johann Wolfgang von Goethe

Dem Geier gleich,

Der auf schweren Morgenwolken

Mit sanftem Fittich ruhend

Nach Beute schaut,

Schwebe mein Lied.

Denn ein Gott hat

Jedem seine Bahn

Vorgezeichnet,

Die der Glückliche

Rasch zum freudigen

Ziele rennt:

Wem aber Unglück

Das Herz zusammenzog,

Er sträubt vergebens

Sich gegen die Schranken

Des ehernen Fadens,

Den die doch bittre Schere

Nur Einmal lös’t.

In Dickichts-Schauer

Drängt sich das rauhe Wild,

Und mit den Sperlingen

Haben längst die Reichen

In ihre Sümpfe sich gesenkt.

Leicht ist’s folgen dem Wagen,

Den Fortuna führt,

Wie der gemächliche Troß

Auf gebesserten Wegen

Hinter des Fürsten Einzug.

Aber abseits wer ist’s?

In’s Gebüsch verliert sich sein Pfad,

Hinter ihm schlagen

Die Sträuche zusammen,

Das Gras steht wieder auf,

Die öde verschlingt ihn.

Ach wer heilet die Schmerzen

Des, dem Balsam zu Gift ward?

Der sich Menschenhaß

Aus der Fülle der Liebe trank!

Erst verachtet, nun ein Verächter,

Zehrt er heimlich auf

Seinen eignen Wert

In ung’nügender Selbstsucht.

Ist auf deinem Psalter,

Vater der Liebe, ein Ton

Seinem Ohre vernehmlich,

So erquicke sein Herz!

öffne den umwölkten Blick

über die tausend Quellen

Neben dem Durstenden

In der Wüste.

Der du der Freuden viel schaffst,

Jedem ein überfließend Maß,

Segne die Brüder der Jagd

Auf der Fährte des Wilds,

Mit jugendlichem übermut

Fröhlicher Mordsucht,

Späte Rächer des Unbilds,

Dem schon Jahre vergeblich

Wehrt mit Knütteln der Bauer.

Aber den Einsamen hüll‘

In deine Goldwolken,

Umgib mit Wintergrün,

Bis die Rose wieder heranreift,

Die feuchten Haare,

O Liebe, deines Dichters!

Mit der dämmernden Fackel

Leuchtest du ihm

Durch die Furten bei Nacht,

über grundlose Wege

Auf öden Gefilden;

Mit dem tausendfarbigen Morgen

Lachst du in’s Herz ihm;

Mit dem beizenden Sturm

Trägst du ihn hoch empor;

Winterströme stürzen vom Felsen

In seine Psalmen,

Und Altar des lieblichsten Danks

Wird ihm des gefürchteten Gipfels

Schneebehangner Scheitel,

Den mit Geisterreihen

Kränzten ahndende Völker.

Du stehst mit unerforschtem Busen

Geheimnisvoll offenbar

über der erstaunten Welt,

Und schaust aus Wolken

Auf ihre Reiche und Herrlichkeit,

Die du aus den Adern deiner Brüder

Neben dir wässerst.

Im Winter 1777 bestieg Goethe den Brocken – die erste bezeugte Winterbesteigung
des höchsten Berges im Harz. Goethe lebt um diese Zeit schon in Weimar. “Das Gedicht,
zwei Jahre nach der Wanderung geschrieben, ist keine Naturlyrik, sondern schildert
das aufgewühlte Seelenleben des Wanderers, eines Außenseiters, in damals avantgardistischen
freien Versen.” (Quelle: wdr.de)

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Liebesgedichte – Unbeständigkeit von Johann Wolfgang von Goethe

Liebesgedichte – Unbeständigkeit von Johann Wolfgang von Goethe

Im spielenden Bache da lieg ich, wie helle!

Verbreite die Arme der kommenden Welle,

Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust.

Dann trägt sie ihr Leichtsinn im Strome darnieder;

Schon naht sich die zweite und streichelt mich wieder,

Da fühl ich die Freuden der wechselnden Lust.

O Jüngling, sei weise, verwein nicht vergebens

Die fröhlichsten Stunden des traurigen Lebens,

Wenn flatterhaft je dich ein Mädchen vergißt.

Geh, ruf sie zurücke, die vorigen Zeiten!

Es küßt sich so süße der Busen der zweiten,

Als kaum sich der Busen der ersten geküßt.

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Liebesgedichte – Herbst von Johann Wolfgang von Goethe

Liebesgedichte – Herbst von Johann Wolfgang von Goethe

38

Früchte bringet das Leben dem Mann; doch hangen sie selten

Rot und lustig am Zweig, wie uns ein Apfel begrüßt.

39

Richtet den herrschenden Stab auf Leben und Handeln, und lasset

Amorn, dem lieblichen Gott, doch mit der Muse das Spiel!

40

Lehret! Es ziemet euch wohl; auch wir verehren die Sitte;

Aber die Muse läßt nicht sich gebieten von euch.

41

Nimm dem Prometheus die Fackel, beleb, o Muse, die Menschen!

Nimm sie dem Amor, und rasch quäl und beglücke wie er!

42

Alle Schöpfung ist Werk der Natur. Von Jupiters Throne

Zuckt der allmächtige Strahl, nährt und erschüttert die Welt.

43

Freunde, treibet nur alles mit Ernst und Liebe; die beiden

Stehen dem Deutschen so schön, den ach! so vieles entstellt.

44

Kinder werfen den Ball an die Wand und fangen ihn wieder;

Aber ich lobe das Spiel, wirft mir der Freund ihn zurück.

45

Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes

Werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an.

46

Wärt ihr, Schwärmer, imstande, die Ideale zu fassen

O so verehrtet ihr auch, wie sich’s gebührt, die Natur.

47

Wem zu glauben ist, redlicher Freund, das kann ich dir sagen:

Glaube dem Leben; es lehrt besser als Redner und Buch.

48

Alle Blüten müssen vergehn, daß Früchte beglücken;

Blüten und Frucht zugleich gebet ihr, Musen, allein.

49

Schädliche Wahrheit, ich ziehe sie vor dem nützlichen Irrtum.

Wahrheit heilet den Schmerz, den sie vielleicht uns erregt.

50

Schadet ein Irrtum wohl? Nicht immer! aber das Irren,

Immer schadet’s. Wie sehr, sieht man am Ende des Wegs.

51

Fremde Kinder, wir lieben sie nie so sehr als die eignen;

Irrtum, das eigene Kind, ist uns dem Herzen so nah.

52

Irrtum verläßt uns nie; doch ziehet ein höher Bedürfnis

Immer den strebenden Geist leise zur Wahrheit hinan.

53

Gleich sei keiner dem andern; doch gleich sei jeder dem Höchsten,

Wie das zu machen? Es sei jeder vollendet in sich.

54

Warum will sich Geschmack und Genie so selten vereinen?

Jener fürchtet die Kraft; dieses verachtet den Zaum.

55

Fortzupflanzen die Welt, sind alle vernünft’gen Diskurse

Unvermögend; durch sie kommt auch kein Kunstwerk hervor.

56

Welchen Leser ich wünsche? Den unbefangensten, der mich,

Sich und die Welt vergißt und in dem Buche nur lebt.

57

Dieser ist mir der Freund, der mit mir Strebendem wandelt;

Lädt er zum Sitzen mich ein, stehl ich für heute mich weg.

58

Wie beklag ich es tief, daß diese herrliche Seele,

Wert, mit zum Zwecke zu gehn, mich nur als Mittel begreift!

59

Preise dem Kinde die Puppen, wofür es begierig die Groschen

Hinwirft; wahrlich, du wirst Krämern und Kindern ein Gott.

60

Wie verfährt die Natur, um Hohes und Niedres im Menschen

Zu verbinden? Sie stellt Eitelkeit zwischen hinein.

61

Auf das empfindsame Volk hab ich nie was gehalten; es werden,

Kommt die Gelegenheit, nur schlechte Gesellen daraus.

62

Franztum drängt in diesen verworrenen Tagen, wie ehmals

Luthertum es getan, ruhige Bildung zurück.

63

Wo Parteien entstehn, hält jeder sich hüben und drüben;

Viele Jahre vergehn, eh sie die Mitte vereint.

64

ťJene machen Partei; welch unerlaubtes Beginnen!

Aber unsre Partei, freilich, versteht sich von selbst.Ť

65

Willst du, mein Sohn, frei bleiben, so lerne was Rechtes, und halte

Dich genügsam, und nie blicke nach oben hinauf!

66

Wer ist der edlere Mann in jedem Stande? Der stets sich

Neiget zum Gleichgewicht, was er auch habe voraus.

67

Wißt ihr, wie auch der Kleine was ist? Er mache das Kleine

Recht; der Große begehrt just so das Große zu tun.

68

Was ist heilig? Das ist’s, was viele Seelen zusammen

Bindet; bänd es auch nur leicht, wie die Binse den Kranz.

69

Was ist das Heiligste? Das, was heut und ewig die Geister,

Tiefer und tiefer gefühlt, immer nur einiger macht.

70

Wer ist das würdigste Glied des Staats? Ein wackerer Bürger;

Unter jeglicher Form bleibt er der edelste Stoff.

71

Wer ist denn wirklich ein Fürst? Ich hab es immer gesehen,

Der nur ist wirklich Fürst, der es vermochte zu sein.

72

Fehlet die Einsicht oben, der gute Wille von unten,

Führt sogleich die Gewalt, oder sie endet den Streit.

73

Republiken hab ich gesehen, und das ist die beste,

Die dem regierenden Teil Lasten, nicht Vorteil gewährt.

74

Bald, es kenne nur jeder den eigenen, gönne dem andern

Seinen Vorteil, so ist ewiger Friede gemacht.

75

Keiner bescheidet sich gern mit dem Teile, der ihm gebühret,

Und so habt ihr den Stoff immer und ewig zum Krieg.

76

Zweierlei Arten gibt es, die treffende Wahrheit zu sagen:

öffentlich immer dem Volk, immer dem Fürsten