Möchten Sie Liebesgedichte suchen?

Sie stöbern imJanuar 2016

ImStandard

Liebesgedichte – Komm heraus, komm heraus von Clemens Brentano

Liebesgedichte – Komm heraus, komm heraus von Clemens Brentano

Liebesgedichte – Komm heraus, komm heraus von Clemens Brentano

 

Komm heraus, komm heraus, du schöne schöne Braut,
Deine guten Tage sind nun alle, alle aus.
Deine Jungfraun läßt du stehn,
Willst nun zu den Weibern gehn.

Dein Schleierlein weht, dein Schleierlein weht,
Die Tränen des Taues, die weinest du zu spät.

Lege ab, lege ab auf ew’ge, ew’ge Zeit
Schild und Schwert und Panzer, deine Waffen, dein Geschmeid.

Aus dem Helm ins Haubelein
Schließest du die Locken ein.

Dein Schleierlein weht, dein Schleierlein weht,
Die Tränen des Taues, die weinest du zu spät.

Lache nur, lache nur, die roten, roten Schuh
Werden dich einst drücken. sie sind eng genug dazu,
Wenn wir zu dem Tanze gehn,
Wirst du bei der Wiege stehn.

Dein Schleierlein weht, dein Schleierlein weht,
Die Tränen des Taues, die weinest du zu spät.

Winke nur, winke nur, sind nur leichte, leichte Wink‘,
Bis du an dem Finger trägst den goldnen Sklavenring,
Goldne Ketten legst du an,
Und beschwerlich wird die Bahn!

Dein Schleierlein weht, dein Schleierlein weht,
Die Tränen des Taues, die weinest du zu spät.

Tanze nur, tanze nur deinen letzten letzten Tanz,
In der Sonne welket bald dein schöner Hochzeitskranz.
Lasse nur die Blumen stehn,
Auf den Acker mußt du gehen.

Dein Schleierlein weht, dein Schleierlein weht,
Die Tränen des Taues, die weinest du zu spät.

ImStandard

Gedichte über Liebe & Leben – Die Welt von Barthold Hinrich Brockes

Gedichte über Liebe & Leben – Die Welt von Barthold Hinrich Brockes

Gedichte über Liebe & Leben – Die Welt von Barthold Hinrich Brockes

 

1.
Den schönen Bau der Welt sieht, leider! jedermann,
Durch seiner Leidenschaft verkehrtes Fern-Glas, an,
Das alles, nur nicht sich, verkleinert und entfernet,
Durch welches man nur sich allein vergrössern lernet.

2.
Nur sich allein; denn was man sonsten sieht und hört,
Wofern man’s nicht, aus Geitz und Noth, für sich begehrt,
Das sieht und hört man nicht: Man würdigt Gottes Wercke
Bey weitem nicht so viel, daß man sie nur bemercke.

3.
Dem Kaufmann kommt die Welt nur bloß, als ein Contor,
Als eine Wechsel-Banck, als eine Messe, vor.
Voll Hoffnung zum Gewinn, voll Sorg‘ und Furcht für Schaden,
Denckt er: Die Erde sey ein grosser Kaufmanns-Laden.

4.
Ein Alexander glaubt: Es sey der Kreis der Welt
Nichts, als ein grosser Platz; nichts, als ein weites Feld,
Bequem, sich mit dem Feind darauf herum zu schlagen,
Und eben groß genug, um seinen Thron zu tragen.

5.
Frag’t den verliebten P-, was ihm der Erd-Kreis sey?
Ach! ruft er, gantz ersäuft in süsser Bulerey:
Er ist ein Aufenthalt, ein Wohn-Platz meiner Schönen,
Ein nettes Schlaf-Gemach der holden Dulcimenen.

6.
Ein Jäger denckt und spricht: Es ist die Welt ein Wald,
Des Wildes Lager-Statt, der Hasen Aufenthalt,
Und, mit Vergnügen steif vom täglichen Gerenne,
Begreift er nicht, wie man in Städten wohnen könne.

7.
Es ist dem Handwercksmann, der auf der Werck-Statt schwitzt,

Die Werck-Statt seine Welt, die er für sich besitzt.
Er braucht des Schöpfers Bild, den Geist, zusamt den Sinnen,
Zu nichts, als Käse, Brodt und Brantwein zu gewinnen.

8.
Scheint ein Gelehrter nicht, die Erde, die so schön,
Als einen Bücher-Schranck, tiefsinnig anzusehn:
Den er mit neuen theils, und theils mit alten Grillen,
In allerley Format, gehalten sey zu füllen?

9.
Ein Dichter bild’t sie sich, wie einen Pindus, ein,
Und schreibt er gleich, wie T-, glaubt er Apoll zu seyn.
Er denckt, es könne nichts so grossen Nutzen bringen,
Ja nichts so nöthig seyn, als Wort‘ in Reime zwingen.

10.
Ha! spricht ein Zeitungs-Narr, und lacht mit lauter Stimm‘:
Ich seh‘ mich auf dem Kreis der Welt gantz anders üm:
Ich weis, wo jedes Reich in Ost- und Westen lieget,
Und wette, daß zuletzt der Schwede doch noch sieget.

11.
Wie ein Astrologus, nach seinen Gründen, schreibt:
So scheint es, daß er dieß vom Erden-Circkel gläubt:
Sie sey für jedermann, durch der Planeten Gläntzen,
Mit Linien bestrahlt, gespickt mit Influentzen.

12.
Ein Advocat, der nichts, als dreh’n und schmählen kann,
Sieht bloß, als ein Gericht, den Kreis der Erden an.
Die Menschen theilt er ein; die besten sind Clienten,
Und zwar die Seinigen, die andern, Delinquenten.

13.
Ein Artzt beschaut den Kreis der Welt, als ein Spital:
Ihn kränckt der Menschen Wohl, er lebt von ihrer Qual:
Sein Zweck (ob seine Kunst gleich zu was edlers führet)
Ist: wenn, durch ihn, die Welt brav schwitzet und purgiret.

14.
Es schreibt ein Philosoph: Die Erd‘ ist ein Planet,
Der jährlich um die Sonn‘, um sich sich täglich, dreht;
Der oft in Hitz‘ und Frost, in Licht und Schatten
?stecket,
Woran der äuss’re Rand mit Narren gantz bedecket.

15.
Ein Frommer aber glaubt mit Recht: Es sey die Welt
Ein Buch, das Göttliche Geheimniss‘ in sich hält:
Ein Buch, das Gottes Hand, aus ew’ger Huld getrieben,
Zu Seines Namens Ehr‘, und unsrer Lust, geschrieben.

16.
Ein Buch, das man mit Recht das Buch der Weisheit nennt,
Aus dessen Inhalt man den wahren Gott erkennt.
Man kann, o Wunder! hier die Schrift von Gottes Wesen
Nicht mit den Augen nur, mit allen Sinnen, lesen.

17.
Durch’s Ohr, lies’t unser Geist die Zieffern Seiner Macht;
Durch’s Auge, fühlen wir die Strahlen Seiner Pracht;
Die Zunge spür’t die Kraft der Göttlich-süssen Triebe;
Man schmecket, im Geruch, den Balsam Seiner Liebe;

18.
Es ist ein jeglicher Gesichts-Kreis hier ein Blatt;
Der Sonnen Strahl und Licht sind GOTT an Griffels statt;
Die Elementen Dint‘; und alle Creaturen,
Im Himmel, Erd‘ und Meer, sind Lettern und Figuren.

19.
O unbegreiflichs Buch! O Wunder – A, B, C!
Worin, als Leser, ich, und auch als Letter, steh!
Laß, grosser Schreiber, mich im Buche dieser Erden,
Zu Deines Namens Ruhm, ein lauter Buchstab werden!

20.
Laß mich von dieser Schrift die Züge, die so schön,
Mit immer frischem Blick, empfinden, schmecken, sehn!
Gib aber, daß ich stets, in diesem grossen Buche,
Mit frohem Fleiß, nur Dich, den wahren Inhalt, suche!

21.
Laß mich, o grosses ALL! die gantze Lebens-Zeit,
Mit aufgewecktem Geist, der Sinnen Trefflichkeit,
Samt ihrem Gegenwurf, die Welt, für Mittel schätzen,
Wodurch, zu Deiner Ehr‘, der Mensch sich soll ergetzen!

22.
Es schwäche nicht den Muth der Trägheit stille Kraft!
Den Geist beneb’le nicht der Dampf der Leidenschaft!
Laß die Unachtsamkeit sich nicht des Ohrs bemeistern!
Laß ja Gewohnheit mir die Augen nicht verkleistern!

23.
Ist denn kein eintziger, der mit Vernunft ermisst,
Daß, Gott zum Ruhm, die Welt für uns erschaffen ist?
Wirf einmahl einen Blick, o Mensch, auf dich von innen,
Auf deiner Seelen Sitz und Werckzeug, auf die Sinnen!

24.
Was von dem grossen ALL in Seinem Worte steht,
Was aus der Priester Mund von Seinem Willen geht,
Den Buchstab und die Kraft von solchen süssen Lehren,
Kann unser Auge sehn, die Ohren können’s hören.

25.
Daß aber unser Gott nicht durch die zween allein,
Nein, auch durch’s Buch der Welt, woll‘ angebethet
seyn,
Bezeugen jene drey, weil Fühlen, Riechen, Schmecken
Sich eintzig auf die Welt, auf anders nichts, erstrecken.

26.
Daher auch unsre Pflicht sich dann am besten zeigt,
Mann jemand, durch’s Geschöpf, zum grossen Schöpfer steigt,
Sich seiner Wercke freut: Denn selbe nicht betrachten,
Heisst Gottes Liebe, Macht und Majestät verachten.

27.
So braucht, ihr Sterblichen, den Geist, den GOTT euch schenckt,
Zu Seiner Ehr‘ allein! Doch irr’t ihr, wenn ihr denckt:
Durch diese Lehre sey die Arbeit aufgehoben.
Es kann ein jeder Gott, bey seiner Arbeit, loben.

28.
Auf seiner Werck-Statt seh‘ ein jeder Handwercks-Mann
Sein Zeug, als ein Geschöpf des weisen Schöpfers, an!
Der Schneider seh‘ sein Tuch, der Schuster schau‘ sein Leder,

Als Schrift und Lettern, an, aus Gottes Allmachts-Feder!

29.
Wodurch Er Seine Macht, zu unserm Nutz, beschreibt.
Wer, ohn‘ auf Gott zu sehn, sein Thun und Handwerck treibt,
Der unterscheidet sich, am Geist, nicht von den Thieren,
Die gleich so gut, als wir, sehn, hören, schmecken, spüren.

30.
Soll uns nun über sie ein Vorzugs-Recht erhöh’n;
So kann dasselbe ja in anders nichts bestehn,
Als daß man den Verstand auch, nebst den Sinnen, brauche,
Und so, aus unsrer Lust, ein Andachts-Opfer rauche.

31.
Betrachtet, was, wodurch, und ja, aus wessen Kraft
Ihr sehet, was ihr seht! Ihr seht die Eigenschaft:
Ihr seht sie, durch die Sonn‘; ihr seht sie, bloß aus Liebe,
Die Gott, euch Sonn‘ und Welt, aus nichts, zu schaffen, triebe.

32.
So ruf’t denn stets, erfreut durch der Geschöpfe Pracht:
Dieß ist so schön! dieß hat ein weiser Gott gemacht!
Gott Lob, daß es so schön. Gott Lob, daß mir die Sonne
Die Welt, durch’s Auge, zeigt, und zwar zu meiner Wonne.

33.
Wer also jederzeit, mit fröhlichem Gemüth‘,
In allen Dingen Gott, als gegenwärtig, sieht;
Wird sich, wann Seel‘ und Leib sich, durch die Sinne, freuen,
Dem grossen Geber ja zu widerstreben, scheuen.

34.
Aus Unerkenntlichkeit kommt alle Bosheit her.
Der beste Gottes-Dienst ist, sonder Zweifel, der:
Wenn man vergnüget schmeckt, recht fühlt, riecht, sieht und höret,
Aus Schaam, die Laster hasst; aus Liebe, Gott verehret.

ImStandard

Liebesgedichte – An die Sonne von Aloys Blumauer

Liebesgedichte – An die Sonne von Aloys Blumauer

Liebesgedichte – An die Sonne von Aloys Blumauer

 

Frau Sonne, diesmal trifft sie’s nicht,
Wenn sie von meinem Liede
Sich nichts, als Schmeichelei, verspricht;
Ich bin des Lobens müde.
D’rum höre sie: Trotz ihrem Glanz,
Und Strahlenrock und Sternenkranz,
Trotz ihrer gold’nen Scheitel,
Ist sie ein Weib – und eitel.

Bespiegelt und begäffelt sie
Sich nicht in jedem Teiche?
Begeht sie nicht, so spät als früh,
Die tollsten Weiberstreiche?
Ein wunderschöner Lebenslauf! –
Geschminkt steht sie des Morgens auf,
Geschminkt geht sie zu Bette,
Wie eine Erzkokette.

Sie prätendirt, die ganze Welt
Soll sich in sie vergaffen;
Sobald ihr’s aufzusteh’n gefällt,
Da soll kein Thier mehr schlafen:
Der Hahn muß auf zum Morgengruß,
Sogar die Sonnenblume muß
Den Seladon ihr spielen,
Und stets nach ihr nur schielen.

Sie glaubt, die Vögel übeten
Für sie nur ihre Kehlen,
Und schämt sich nicht, uns Schlafenden
Die Frühmusik zu stehlen:
Und können Abends die nicht mehr,
So müssen Frösch’ und Grillen her,
Und ihr ein Tutti singen,
Um sie in Schlaf zu bringen.

Auch ist sie gar zu sehr erpicht,
Mit ihrem Reiz zu prahlen,
Stets soll er uns in’s Angesicht
Ganz ohne Schleier strahlen;
Schlei’rt ihn ein Sommerwölkchen ein,
So blitzt und donnert sie darein
Bei hellen Thränengüssen,
Bis sie den Schlei’r zerrissen.

Da schwimmt nun ihre Majestät
In einem Meer von Glanze,
Und wo sie nur vorübergeht,
Da huldigt Strauch und Pflanze.
Die armen Blümchen dauern mich,
Sie bücken bis zur Erde sich;
Kein’s darf das Köpfchen heben,
Bis sie sich wegbegeben.

Doch, daß sie niemand d’rum besieht,
Wie ihr die Runzeln lassen,
So pflastert sie sich täglich mit
Demanten und Topassen:
Das treibt sie bis zum Augenweh;
Doch pflegte sie im Negligé
Nur einmal auszugehen,
Wir würden Wunder sehen.

Mit schönen Mädchen treibt sie gar
Ein jämmerlich Spektakel:
Nimmt sie nur ein’s von weitem wahr,
Husch schüttelt sie die Fackel,
Und brennt die feinste Lilienhaut
So kohlpechschwarz, daß einem graut
Und könnte sie, ich glaube,
Sie brennte sie zu Staube.

Doch wissen ihr auch ritterlich
Die Schönen Trotz zu bieten,
Und kämpfen gegen ihren Stich
Mit Fächer, Schirm und Hüten:
D’rum hat Madam wohl hundertmal
Gewünscht: Ha! daß die Dirnen all’
Von Schmalz und Butter wären,
Wie wollt’ ich sie zerstören!

Zwar, daß sie gern sich trägt zur Schau,
Ließ sich noch übersehen;
Doch ihre Neugier, gnäd’ge Frau,
Ist gar nicht auszustehen.
Denn, weil sie grosse Augen hat,
So, meint sie, dürf’ in Feld und Stadt
Nichts unbegafft geschehen,
Sie müsse alles sehen.

Da guckt, wenn man im Bett noch liegt,
Sie durch die Fensterscheiben,
Kein Mädchen will, so ungeblickt,
Dann mehr im Bette bleiben:
Das thut sie bloß aus Eifersucht:
In Grotten und in Lauben sucht
Sie sich hineinzustehlen,
Die Liebenden zu quälen.

Ey pfui, Madam, so kurios
Ist wohl kein Weib auf Erden.
So muß denn alles, klein und groß,
Von ihr beglasaugt werden?
Was hilft’s? verkröche man sich auch
Selbst in der Mutter Erde Bauch,
Sie ist im Stand der Alten
Den Bauch entzwei zu spalten.

Sie selbst gibt doch den Frauen kein
Gar sonderlich Exempel.
Wo sie ist, trollt Herr Mondenschein
Sich flugs hinaus zum Tempel.
Man weiß ja wohl Frau Ueberall,
Warum sie diesen zum Gemahl
Vor allen auserlesen –
Weil er stockblind gewesen.

Kein so verbuhltes Weib gibt’s nicht
Im Himmel und auf Erden;
Bekäm’ Herr Mond sein Augenlicht,
Er müßte rasend werden.
Bis mit den Sternen sie nicht satt
Gebuhlt und liebgeäugelt hat,
Eh pflegt sie ihren Grauen
Nicht einmal anzuschauen.

Sie kann, so oft es ihr gefällt,
Ein Schnippchen ihm versetzen,
D’rum trägt er auch vor aller Welt
Zwei Hörner zum Entsetzen;
Und will der Hahnrei seinem Weib
Zuweilen näher auf den Leib,
So kriegt er finst’re Blicke
Und muß beschämt zurücke.

Sie läßt sich zwar die Königin
Des Sternenhimmels schelten;
Allein den königlichen Sinn
Muß man genug entgelten:
Sie sengt und brennt ja mörderlich,
Und weiß dabei – recht königlich, –
Für ihre Hand voll Weizen
Des Pflügers Haut zu beizen.

Gibt sie die eine Hand uns voll,
So nimmt sie mit der andern:
Sie geht ja um mit Kraut und Kohl,
Als wie mit Salamandern:
Mit ächter Königspolitik
Versenget sie oft Stück für Stück,
Die Felder und die Saaten,
Läßt Trauben nur gerathen.

Ey, für ein königliches Haupt
Heißt das sich sehr vergessen,
Wenn man von Unterthanen glaubt,
Sie könnten Kohlen fressen.
Nicht wahr, Frau Klug, ihr fiel nicht ein,
Daß man beim allerbesten Wein
Und einer leeren Tenne
Fein hübsch verhungern könne.

Man nennt mit Recht sie das Modell
Von königlichen Geistern,
Die mit dem ersten Blicke schnell
Ein ganzes Weltall meistern:
Denn auch Madam mit ihrem Licht
Sieht alles – nur sich selber nicht,
Und wird an sich die Flecken
Wohl nimmermehr entdecken.

Ich aber bin nicht undankbar,
Daß ich von ihr gebeichtet,
Was lang mir auf dem Herzen war,
Indeß sie mir geleuchtet;
Denn, um für ihren Sonnenschein
Ihr gar nicht obligirt zu sein,
Schrieb ich an dem Gedichte
Nur Nachts – beim Kerzenlichte.

ImStandard

Liebesgedichte – An Ihn von Louise Aston

Liebesgedichte – An Ihn von Louise Aston

Liebesgedichte – An Ihn von Louise Aston

 

Kann ich lindern dieses Sehnen,
Das mich träumend Dir vereint?
Dir verhaßt sind diese Thränen,
Die der blasse Kummer weint;
Die ein Opfer des Geschickes
Weint am Grab entschwund’nen Glückes! –
„Ihre Todten zu begraben,
Laß‘ die Todten sich bemüh’n!
Doch des Lebens reichste Gaben
Mögen den Lebend’gen blüh’n.

Ewig soll’s im Herzen lenzen,
Neue Triebe, neue Kraft!
Und mit frischen Blüthenkränzen
Schmücke sich die Leidenschaft!
Was im Sturm der Zeit verloren,
Sei verjüngt und neugeboren!
Wenn der Sonne Glanz versunken,
Wenn verglüht des Tages Pracht;
Steige auf, von Wonne trunken,
Gluterfüllte Liebesnacht!“ –

Und doch rührt mich frisches Leben
Nicht mit seinem Zauberstab.

Träumende Gedanken schweben
Um entschwund’ner Zeiten Grab;
Und es grüßt die bange Klage
Abendroth versunk’ner Tage.
Will ich kräftig mich ermannen,
Fliehen der Erinn’rung Fluch;
Fehlt, die Geister fortzubannen,
Mir der mächt’ge Zauberspruch!

Schau‘ umher ich tiefbekümmert,
Alles wird zur Elegie;
Und im Innersten zertrümmert
Ist der Seele Harmonie;
Klagend in Erinnerungen,
Eine Glocke, die gesprungen!
Wer dem machterfüllten Beben
Ihrer Töne einst gelauscht;
Hört, wie jetzt zerriss’nes Leben
In gebroch’nen Klängen rauscht.

Schöne Tage, kehret wieder!
Bringt das Herrliche zurück!
Seiner Freiheit wilde Lieder;
Seiner Liebe mildes Glück!
Ja, vergessen war mein Dulden,
Und vergeben mein Verschulden!
Deiner Lehre treuer Jünger

Weint‘ ich keinem Glücke nach,
Denn ein neuer Freudenbringer
Stieg empor der neue Tag.

Sprach’st Du mir von Männerwürde,
Von der Freiheit Herrlichkeit,
Warf ich eig’ner Sorgen Bürde
In das weite Meer der Zeit.
Eine Schranke muß ja fallen,
Und ein Morgen tagt uns allen!
Wenn den unterdrückten Knechten
Erst der Freiheit Sonne scheint;
Wird das Weib mit gleichen Rechten
Einst dem freien Mann vereint.

Nimmer lausch‘ ich mehr dem Worte,
Das mein Innerstes durchklang;
Pochend an der Zukunft Pforte
In der Jugend Thatendrang,
Raubend von des Himmels Heerde
Licht und Feuer für die Erde.
Solcher Liebe heißes Werben
Wurde rasch des Friedens Grab;
Und in seliges Verderben
Stürzt‘ ich freudig mich hinab. –

Kann ich lindern dieses Sehnen,

Das mich träumend Dir vereint?
Dir verhaßt sind diese Thränen,
Die der blasse Kummer weint!
Wohl! so will ich schmerzhaft ringen,
Finst’re Trauer zu bezwingen: –
„Ihre Todten zu begraben,
Laß die Todten sich bemüh’n;
Doch des Lebens reichste Gaben
Mögen den Lebend’gen blüh’n!“

ImStandard

Liebesgedichte – Hoffnung gleichet einem Wilde von Hans Aßmann von Abschatz

Liebesgedichte – Hoffnung gleichet einem Wilde von Hans Aßmann von Abschatz

Liebesgedichte – Hoffnung gleichet einem Wilde von Hans Aßmann von Abschatz

 

Hoffnung gleichet einem Wilde/
Das ein ieder fangen kan/
Sie ist allen Hertzen milde/
Wer sie will/ der trifft sie an/
Aehnlicht einem Schatten-Bilde/
Folget der Begierden Bahn.
Hoffnung gleichet einem Wilde/
Das ein ieder fangen kan.

Solche Freude quillt vom Hoffen/
Die bey allen kehret ein.
Keiner/ der nach ihr geruffen/
Höret ein betrübtes Nein/
|Wer ihr Ohr und Hertz hält offen/
Kan allzeit vergnüget seyn.
Solche Freude quillt vom Hoffen/
Die bey allen kehret ein.

ImStandard

Liebesgedichte – Glück der Liebe von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedichte – Glück der Liebe von Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedichte – Glück der Liebe von Charlotte von Ahlefeld

 

Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.

Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht’ ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.

Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.

Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann – doch halt es nicht zurück!

ImStandard

Liebesgedichte – Mein Herz ist todt von Felix Dörmann

Liebesgedichte – Mein Herz ist todt von Felix Dörmann

Liebesgedichte – Mein Herz ist todt von Felix Dörmann

 

Wenn meiner Lieder düsterrothe Feuer
In wilden Flackertänzen Dich umsprüh’n,
O glaube nicht, dass Du mir lieb und theuer,
Dass diese Flammen aus dem Herzen glüh’n.

Mein Herz ist todt, wenn jemals ich besessen
Ein solches Ding in meiner kalten Brust,
Vielleicht auch, dass ich’s irgendwo vergessen
Bei blassen Frauen nach verschwieg’ner Lust.